Blutige Messerattacke in Moschee - 37-Jähriger vor Gericht

Das Gericht prüft, ob der Angeklagte in eine geschlossene Psychatrie muss.
Das Gericht prüft, ob der Angeklagte in eine geschlossene Psychatrie muss.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Nach einer lebensgefährlichen Messerattacke in einer Moschee in Wattenscheid steht seit Mittwoch ein 37-jähriger Mann vor dem Schwurgericht. Vorwurf: versuchter heimtückischer Mord. Wegen einer Psychose und Halluzinationen ist aber nicht auszuschließen, dass er schuldunfähig ist.

Bochum/Wattenscheid. Mit zwei Messern in der Hand soll ein 37-jähriger Wattenscheider am Nachmittag des 11. April in die Moschee an der Hardenbergstraße gegangen sein und einen dort tätigen Lehrer (21) niedergestochen haben. Die Staatsanwalt geht von einem versuchten heimtückischen Mord aus. Seit Mittwoch sitzt der Beschuldigte vor dem Schwurgericht. Ins Gefängnis soll der Mann aber nicht, denn er gilt als psychisch krank und ist möglicherweise gar nicht schuldfähig. Das Gericht prüft, ob der Mann unbefristet in eine geschlossene Psychiatrie muss, wo er bereits jetzt untergebracht ist.

„Stimmen“, so heißt es, sollen dem 37-Jährigen die blutige Attacke damals befohlen haben. Das Opfer kannte er nur vom Sehen. Laut Staatsanwaltschaft ging er in den Gebetsraum im ersten Stock der Moschee, die sich gegenüber der Post in Wattenscheid befindet, und stach viermal mit einem der Messer zu, einmal fünf Zentimeter tief in den Bauch, dreimal in die Beine. „Der Beschuldigte setzte die Stiche, um ihn zu töten“, sagte Staatsanwalt Dietrich Streßig. Das Opfer wehrte sich und konnte fliehen. Es bestand eine konkrete Lebensgefahr wegen des hohen Blutverlustes.

„Er hat nichts gesagt und angefangen zu stechen“

„Er hat nichts gesagt und angefangen zu stechen“, sagte das Opfer am Mittwoch im Zeugenstand. Kurz darauf wurde er von dem Beschuldigten direkt angesprochen: „Ich war nicht bei mir. Wegen der Krankheit. Ich kenn Dich doch gar nicht. Du hast mir nichts angetan.“ Auch ein politischer Hintergrund der Tat ist nicht ansatzweise erkennbar. Kurz nach der Attacke war der Beschuldigte am August-Bebel-Platz geschnappt worden. Er wohnte in der Nähe.

Schon seit dem 24. Lebensjahr soll der alleinstehende Mann, der regelmäßig Hasch, Haze und Gras rauchte, unter einer schweren Psychose leiden. Die Staatsanwaltschaft spricht von „Dauer-Halluzinationen“. Wegen der „Stimmen“, die er hörte, gab er auch vor einigen Jahren seinen Beruf als Bürogehilfe auf. „Was haben die Stimmen Ihnen gesagt?“ fragte Vorsitzender Richter Josef Große Feldhaus. Antwort: „Alles Mögliche.“ Meist seien es Frauenstimmen gewesen.

Der Prozess wird fortgesetzt.

 
 

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