Blindenhund darf nicht in Supermarkt rein

Kira durfte nicht mit in den Laden. Fotos: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
Kira durfte nicht mit in den Laden. Fotos: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
Foto: Haenisch / waz fotopool

Bochum.. Sie fühlen sich diskriminiert, sind wütend, enttäuscht. Dabei wollten sie nur Lebensmittel einkaufen. Mit ihrem Blindenführhund. Doch der leitende Mitarbeiter eines Supermarktes in Bochum hatte etwas dagegen, warf die drei raus und drohte mit Hausverbot.

Schon kurz nachdem Diana (26) und Martin (24) den Rewe-Markt im Bermudadreieck zusammen mit Führhündin Kira (2) betreten hatten, seien sie zuerst von einer Verkäuferin und danach vom stellvertretenden Marktleiter aufgehalten worden. Ohne sich vorzustellen, habe dieser darauf hingewiesen, dass Hunde nicht in Lebensmittelmärkte mitgenommen dürften – das verstoße gegen Hygienevorschriften. Das ist im Prinzip zwar richtig, jedoch gibt es für Führhunde eine gesetzliche Ausnahme, die Martin sogar schriftlich vorzeigen kann.

Davon unbeeindruckt habe der stellvertretende Marktleiter vorgegeben, er wolle seinen Chef, der an diesem Tag nicht vor Ort war, anrufen und dort um Rat fragen. Solange solle das junge Paar samt Hund draußen warten. Weiter habe er vorgeschlagen, Martin könne doch für seine Freundin einkaufen. Dass sie selbstständig für sich sorgen kann und will, erkannte er wohl nicht.

Die Stimmung sei angespannt gewesen, der Stellvertreter des Marktleiters habe gar gefragt, ob es denn keine Geschäfte speziell für Blinde gebe. Schließlich habe er die beiden loswerden wollen: „Gehen Sie doch zu Kaiser’s.“ Doch als die beiden sich weigern und vorschlagen, gemeinsam beim Gesundheitsamt nachzufragen, sei der stellvertretende Marktleiter „aggressiv“ geworden, erzählt Diana. „Werd’ mal nicht mutig, sonst gibt’s Hausverbot“, habe er gesagt, und: „Ihr verlasst jetzt den Laden, geht sofort raus.“ Weil es ihm nicht schnell gegangen sei, habe er den Hund sogar geschubst.

Mitarbeiter habe sich nur absichern wollen

Daraufhin habe das Paar den Rewe-Markt verlassen und eine halbe Stunde bei 33 Grad im Schatten vor dem Schaufenster gewartet – ohne Reaktion aus dem Geschäft. Dann seien sie gegangen, schließlich wollten sie eigentlich Lebensmittel einkaufen. „Irgendwann war es einfach zu viel“, sagt die 26-Jährige.

Auf Nachfrage der Redaktion nimmt Rewe-Sprecherin Anja Delang den Mitarbeiter zunächst in Schutz. Der stellvertretende Marktleiter habe sich nur absichern wollen, da er sonst persönlich haftbar gewesen wäre, falls sich Kunden über den Hund beschwert hätten. Nach Rücksprache mit dem Vertriebsleiter sei aber eine Kulanzlösung gefunden worden und der Führhund hätte in den Markt gedurft, so Delang. Doch das junge Paar sei in der Zwischenzeit einfach gegangen. Zudem hätten sie den Hund auch an der Kasse abgeben können. Ein Mitarbeiter wäre ihnen dann beim Einkauf behilflich gewesen.

Eine Aussage, die Diana nicht nachvollziehen kann. „Man kann auch nicht zu einem Rollstuhlfahrer sagen, lassen Sie den Rollstuhl an der Kasse, wir tragen Sie.“ Der Hund arbeite schließlich für sie und sei im Dienst, wenn er im Geschirr ist. Zudem hätten sie auch früher schon im betreffenden Rewe-Markt eingekauft, und es habe weder dort noch in anderen Geschäften Probleme mit Kira gegeben.

Anja Delang betont zwar, dass man alle Kunden gleich behandele und deren Bedürfnisse im Vordergrund stünden. Man lebe von ihnen und wolle niemanden ausschließen. Diana und Martin aber haben sich nach ihrem Erlebnis „ziemlich schlecht gefühlt“ und sie hoffen, dass dieses „schlimme Erlebnis“ ein Einzelfall bleibt. Sie wünschen sich eine Entschuldigung und wollen den Laden in Zukunft meiden.

Doch soweit muss es vielleicht gar nicht kommen. Rewe-Sprecherin Anja Delang verkündete am MIttwoch, dass man nun zu der Entscheidung gekommen sei, Blindenführhunde ab sofort generell und ohne Ausnahme zu tolerieren. Und zwar deutschlandweit. Immerhin, ein Lichtblick.

 
 

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