Blaubart - Hoffnung der Frauen und ihr Mörder

Jürgen Boebers-Süßmann
Szenenfoto mit Sarah Grunert und Marco Massafra.
Szenenfoto mit Sarah Grunert und Marco Massafra.
Foto: Diana Küster
Im Theater Unten kommt eine moderne Fassung des bekannten Märchenstoffs in der Regie von Selen Kara zur Aufführung. Die Premiere am Donnerstag ist bereits ausverkauft.

Bochum. Blaubart, der Verführer, Blaubart, Mörder der Frauen: die Geschichte ist bekannt, das Märchen aus dem 17. Jahrhundert heute noch populär. Im Theater Unten erscheint am Donnerstag ein veränderter Blaubart, einer, der zweifelt und voller Gier nach Liebe ist. Der aber gleichwohl töten muss, weil er dieses Liebessehnen nicht aushält. Oder es fürchtet. Je nach dem.

Den Blaubart-Mythos, wie man ihn kennt, begründet die Version von Charles Perrault von 1697. Darin tötet Blaubart seine Frauen, wenn sie aus Neugier eine verbotene Tür öffnen. Diese Version des Stoffes ist Ausgangspunkt für vielfältige Adaptionen geworden. Auch Dea Lohers Fassung, die 1997 entstand, ist ein Stück über Sehnsüchte, über Projektionsflächen und die Suche nach dem Absoluten. Aber sie hebt die gestrig scheinende Geschichte trickreich und intelligent mitten hinein in die Gegenwart.

Heinrich Blaubart, ein Schuhverkäufer

Bei der 1964 geborenen Schriftstellerin ist Heinrich, die Blaubartfigur, zwar immer noch eine ideale Projektionsfläche, ein Fixpunkt, in dem die Frauen ihren idealen Gegenpart vermuten. Aber dieser Heinrich ist Damenschuhverkäufer, was ihn nicht hindert, im Schuhlager nach einer selbst erlittenen enttäuschten Liebe sechs Frauen zu ermorden, die ihm - auf ihrer Suche nach Liebe - näher kommen. Einzig eine Blinde kreuzt immer wieder Heinrich Blaubarts Weg, ohne daran zu Grund zu gehen: Sie erkennt ihn und seine unglückliche Beziehung zur Frauenwelt besser als alle anderen. Und lebt weiter, weil sie versteht, ohne zu fordern.

Selena Kara, Regieassistentin am Schauspielhaus, liefert mit „Blaubart – Hoffnung der Frauen“ ihre erste Regiearbeit ab. Sie hat Lohers Drama als psychologisches Kammerspiel für nur drei Schauspieler im Theater Unten in Szene gesetzt. Es spielen Sara Gruner, Marco Massafra, Sabine Osthof.

Die Premiere am 18.12. um 20 Uhr ist ausverkauft. Weitere Vorstellungen im Theater Unten am 20.12, sowie am 19. und 28.01.2015. Karten 0234/3333-5555