Bilder zwingen den Betrachter zum Nachdenken

Der Künstler Gordan Nikolić in der Maske des „Raumfressers“.
Der Künstler Gordan Nikolić in der Maske des „Raumfressers“.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
Mit Gordan Nikolić ist im Kunstverein Kulturrat ein Künstler zu Gast, der die Provokation in jedem Motiv mit schockierend sicherem Griff findet.

Bochum.. In seiner ersten Ausstellung des Jahres 2015 macht es der Kunstverein Bochumer Kulturrat seinen Besuchern nicht leicht: Denn mit Gordan Nikolić ist in Gerthe ein Künstler zu Gast, der die Provokation in jedem Motiv mit schockierend sicherem Griff findet.

In seinen Malereien und Zeichnungen trifft Kitsch auf Brutalität, Gewalt auf Waldesidylle, Schneewittchen auf Pornografie.

„Raumfresser“ mit Hasenohren

„Stolperbilder“ hat Kurator Carsten Roth die Ausstellung übertitelt, eine Anspielung auf die „Stolpersteine“, die, überall in der Stadt verlegt, an die von den Nazis ermordete und vertriebene jüdische Bevölkerung erinnern. Die Stolperbilder des Essener Künstlers Nikolić stellen ebenfalls eine Verbindung zu den NS-Gräueln her, aber sie tun es mit dem zynischen Mittel der heutigen Massenkultur, die alles in ihre Unterhaltungskanäle einspeist und damit auf tragische Weise verwässert.

Der Künstler, der sich selbst das alter ego eines „Raumfressers“ – eine comic-hafte Fantasiegestalt mit Hasenohren – verpasst hat, stellt sich dem konsequent in den Weg und zwingt den Betrachter, das Unzulässige zuzulassen. Nikolić verneint, dass es eine korrekte Reflexion über geschichtliche Zusammenhänge gibt und gräbt stattdessen im Verdrängten, im Üblen. So schockierend seine Bilder sein mögen, sie fordern das Nachdenken über den Zusammenhang von Blumenwiesen und Vergewaltigung, von Pin-Up-Schönheit und napalm-zerfressener Haut heraus.

Kunst der Drastik

Vor allem in seiner Serie „Barbieland“ wird das offenbar. Hier verwendet er die farbenfrohen naiv-abstrahierten Szenarien von Kindertrickfilmen und kombiniert sie mit wüsten pornografischen Posen von Sexarbeiterinnen. Das ist definitiv heftig, zumal rasch deutlich wird, dass es sich bei diesen Arbeiten um komplexe Historienbilder handelt, in denen unter der kitschig-brutalen Oberfläche Grauen und Barbarei thematisiert werden, darunter der Bombenterror des Zweiten Weltkriegs, brutale Kriegsverbrechen und immer wieder der Holocaust. Der nackte weibliche Körper wird zur Folie für die Verknüpfung von Grausamkeit und Sexualität.

Gordan Nikolić’ „Kunst der Drastik“ kalkuliert in seiner malerischen Provokation Einstufungen wie geschmacklos, sexistisch oder politisch unkorrekt bewusst mit ein. In öffentlichen Museen hätten diese Bilder es schwer. Und doch sind sie herausfordernd und verstörend. Dieser Künstler lässt uns nicht in Ruhe. In süffisanter Unerbittlichkeit wird an Narben gekratzt, bis sie blutig schimmern.

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