Bilder von Schlachtfeldern im Bochumer Bahnhof

Sabine Vogt
Die Ausstellung World Press Photo ist im Hauptbahnhof Bochum bis zum 2. August zu sehen.
Die Ausstellung World Press Photo ist im Hauptbahnhof Bochum bis zum 2. August zu sehen.

Bochum. Erstmals wird im Bochumer Hauptbahnhof die Ausstellung World Press Photo (WPP) gezeigt. Aus den zehn Wettbewerbskategorien sind 167 Fotos zu sehen, neben dem jeweiligen Siegerbild eine Auswahl der bestplatzierten Arbeiten.

Bochum ist die dritte Station dieser Wanderausstellungs-Tour mit der Deutschen Bahn. Die Ausstellung wird an 100 Orten präsentiert; zeitgleich zu der einen Woche in Bochum (bis zum 2. August) in Tokio, Santiago de Chile und St.Petersburg. „Ziel ist, ein breites Publikum zu erreichen“, erklärte zur gestrigen Eröffnung Anna-Lena Mehr, WPP-Projektmanagerin. Ins Auge fallen besonders die drastischen Bilder aus den Konfliktgebieten wie Afghanistan, Irak und Palästina. Da werden Steinigungen islamistischer Aufständischer gezeigt nach der Einführung der Sharia in Somalia, tote palästinensische Kinder nach dem Angriff der Israelis, verstümmelte Patienten in einem irakischen Krankenhaus.

„Ich war entsetzt über die Brutalität mancher Bilder. Es handelt sich beim Bahnhofsgebäude um einen öffentlichen Raum; das eignet sich nicht für Kinder“, so kommentierte etwa Martina Steinmacher die Ausstellung, die sie am Vormittag gesehen hatte.

„Wir haben Warnhinweise aufgestellt“

In der Tat sind krasse Dokumente von Gewalt zu sehen. „Wir haben Warnhinweise aufgestellt und versucht, die allzu heftigen Fotos nicht direkt an die Laufmeile zu stellen. Darauf sollten Eltern kleiner Kinder achten“, so Anna-Lena Mehr. Auch Bilder aus einem umbrischen Schlachthof sind wohl nichts für sorglose Fleischesser. Nahezu surreal dabei der Eindruck für Betrachter in dem kleinen Bochumer Bahnhof: Über allem weht der Geruch von Pommes und Bratfett.

Aber es gibt auch Bilder, die einfach nur wunderschön sind, wie jene Naturaufnahmen aus der Antarktis, die Pinguinkolonien zeigen. Bemerkenswert auch die kleine Fotoserie des Chinesen Ou Zhihang, der nackt Liegestütze macht jeweils vor Stätten der Ungerechtigkeit wie einem Gefängnis, wo es Todesfälle gab, Opfer von Müllverbrennungsanlagen und Gewalt an einem Hüttenwerk. Viel Fläche nehmen auch Portraits ein, die Menschen bei ihrer Arbeit, in Krankheit oder Kinder im Wachstum begleiten.

Die Stelltafeln ziehen sich vom Eingang hin zu den Seitengängen entlang der Geschäfte und vorbei an den Bahnsteigaufgängen bis zum Südausgang. Die Ausstellung wird in dieser Größe überall gezeigt. „Diese Auswahl ist keine Übersicht über das Weltgeschehen, sondern eine fotografische Reise aus dem Blickwinkel der Fotografen“, darauf weist die Ausstellung auch hin. Das Siegerbild von Pietro Masturzo bildet zwar auch eine Szene aus einem Krisengebiet ab, ist aber von erhabener Schönheit: Es zeigt irakische Frauen, die in der Abenddämmerung ihren Protest gegen die Präsidentenwahl von Hausdächern herabschreien.