Betörendes Raumgespinst besteht aus lauter altem Kram

Blick in die Ausstellung „State of flux“ von Julia Sossinka.in der Kunstkirche am Steinring.
Blick in die Ausstellung „State of flux“ von Julia Sossinka.in der Kunstkirche am Steinring.
Foto: Fischer
Die Kunstkirche Christ König zeigt auf 300 Quadratmetern Julia Sossinkas einnehmende Installation „State of flux“ aus Schnipseln, Fäden, Folien und Resten von Plastiktüten.

Bochum.. Mit Julia Sossinka ist aktuell eine Künstlerin in Bochum zu Gast, die zuletzt vor zwei Jahren hier ausstellte. Nach ihrer Präsentation „Panorama“ – damals im Kunstraum Unten – hat die in Berlin lebende Sossinka ihre neue Arbeit nun in der Kunstkirche Christ König (K.I.C.K.) realisiert. Hier gilt es, einem kleinen Raumwunder auf die Spur zu kommen.

Die Kunstkirche am Steinring überrascht seit 2010 immer wieder mit ungewöhnlichen Eingriffen in den ehemaligen Kirchenraum; nach der duftenden Installation mit 2200 Hyazinthen von Anne Berlit haben Propst Michael Ludwig und das K.I.C.K.-Team nun eine weiteres spannendes Projekt ins Werk gesetzt. Julia Sossinka verwandelt mit Papierschnipseln, Fäden, Folie und Resten von Plastiktüten den weiten, hohen Kirchenraum in einer Weise, dass man wirklich überrascht ist, was aus solch’ an sich schäbigem Material an augenfälliger Kunst entstehen kann. „State of flux“ ist der Titel der 300 qm einnehmenden Rauminstallation.

Tunnelsituation

Sossinka (*1983 in Hattingen) schloss 2009 ihr Studium an der Kunstakademie Düsseldorf mit dem Akademiebrief ab. Die 32-Jährige ist eine zeitgenössische Künstlerin, die aus der Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt heraus Werke voll Inspiration und unbekümmerter Neugierde schafft. Scheinbar wertloser Kram, Weggeworfenes aus Plastik, Tüten oder Verpackungen, Reste von Stoffen, Tüll, Papierschnipsel arrangiert sie zu frischen, fast fröhlich anmutenden Collagen neu. Und die können es größenmäßig in sich haben!

In Christ König entstand so ein Raumgespinst, das auf den ersten Blick wie ein Spinnennetz anmutet, dessen Fäden allerdings aus verdrehter Klarsichtfolie bestehen. Aus dem Kirchen-Entree heraus entsteht eine Tunnelsituation; man kann und soll das Gespinst betreten und wird dann immer dichter, immer tiefer eingesogen. Dabei gewinnt der dem Besucher zunehmend auf die Pelle rückende Öko-Kosmos zunehmend an Reiz.

Man kann sich sattsehen an Farbigkeit, Haptik und Struktur der von Sossinka geschickt in ihre Raumplastik hineingewobenen Fundstücke des Alltäglichen. Manche sehen so anziehend aus, dass man sie gleich berühren möchte – was auch erlaubt ist. Je länger man in dem Installationsgespinst verweilt, desto mehr sieht man. Komplexe Bilder, plastische Objekte entstehen, je nach Blickwinkel. Als Teil des Ganzen geht der Betrachter in der Kunst förmlich auf.

Julia Sossinkas Materialkompositionen beziehen ihre innere Logik aus der Erscheinungsvielfalt der Natur. Und sie sind ihn ihrer poetisch anmutenden Form- und Farbenwelt nicht minder geheimnisvoll.

 
 

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