Beifall für starke „Swimmingpool“-Premiere im Theater Unten

Jürgen Boebers-Süßmann
Szenenfoto mit Sarah Grunert (Moana) und Matthias Eberle (Boris)
Szenenfoto mit Sarah Grunert (Moana) und Matthias Eberle (Boris)
Foto: Diana Küster
Nach allem, was man über die Jungdramatikerin Laura Naumann – sie ist erst 23 – gehört hatte, war die Spannung vor ihrer Bochumer Uraufführung groß. Die Erwartungen wurden erfüllt: Starker Applaus für „Raus aus dem Swimmingpool, ‘rein in mein Haifischbecken“ am Donnerstagabend im Theater Unten.

Bochum.  Moana (Sarah Grunert) hat nichts anderes im Sinn als eine Top-Karriere als Unternehmensberaterin. Dafür ist sie bereit, so gut wie jedes Opfer zu bringen, zeitlich, persönlich, menschlich. Ihre Mutter Christiane (Nicola Thomas) hält nichts davon und glaubt als Nachrichtensprecherin noch an die aufklärerische Wirkung des Journalismus.

Doch was, wenn man, wie sie, in zehn Jahren zum wiederholten Mal über einstürzende Bekleidungsfabriken in Pakistan berichtet, und sich am himmelschreienden Unrecht doch nichts ändert? Moanas Freund Boris (Matthias Eberle) dagegen kommt mit der Welt und seinem Job als Flugbegleiter ganz gut zurecht. Eigentlich. Aber happy ist er auch nicht.

So navigieren sich die drei durch ihren Routine-Alltag, bis TV-Christiane vor laufenden Kameras die Sinnfrage stellt, und danach ihren Job und ihren Ruf los ist. Plötzlich gerät alles ins Wanken. Aber auch in Bewegung, denn nun sind die Protagonisten gezwungen, sich die Frage zu stellen, die sie bis jetzt verdrängt haben: Wie weiterleben, wenn das eigene Leben zu eng geworden ist?

Statt einer Antwort, erscheint der/die androgyne Nikita (Thorsten Flassig), der/die für die Drei zum Schutzengel, Psychologen, Beichtvater und schmachtenden Sehnsuchtsobjekt wird. Endlich löst sich ‘was im verkrusteten Innern, und – fast ganz am Ende des Stücks – fällt dann auch das Schlüsselwort: „lieben“. Zum Beispiel die Menschen um sich herum. Und, ja, auch sich selbst. Jedenfalls ein bisschen.

Mit kraftvoll-satter Sprache, Wortwitz und schleudernden Handlungssträngen schleudert Laura Naumann ihre Figuren in eine von medialen Verzerrungen und den Auswüchsen des Turbokapitalismus irrgeleiteten Welt. Das funktioniert schlüssig, und wird von Regisseur Malte C. Lachmann gut getimt und immer mit Tempo, aber nie mit Hast ausgespielt. Dass dieser Abend, kurzweilig und nachdenklich zugleich, blutvolles, pulsierendes Theater bietet, liegt aber nicht zuletzt an den Schauspielern, die sich deftig und komödiantisch in ihre Rollen, Gefühle und Charaktermasken schmeißen.

Starker Abend!