Bei Karten-Verkauf für Frauenfußball-WM ist Bochum das Schlusslicht

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Geht noch was? Thorsten Lumma (rechts, mit Werner Esser von den Technischen Diensten der Stadt) hofft auf einen letzten Schub beim Verkauf der WM-Karten. Foto: Ingo Otto
Geht noch was? Thorsten Lumma (rechts, mit Werner Esser von den Technischen Diensten der Stadt) hofft auf einen letzten Schub beim Verkauf der WM-Karten. Foto: Ingo Otto
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Bochum. Am Sonntag wird die Fifa-Frauen-WM angepfiffen. Bochum ziert schon jetzt das Tabellenende: In keinem anderen der neun Austragungsorte wurden so wenige Eintrittskarten verkauft. WAZ-Redakteur Jürgen Stahl sprach mit dem Bochumer WM-Beauftragten Thorsten Lumma (49).

Frage: 35.000 Tickets für vier WM-Spiele: Sind Sie von der bisherige Resonanz auf die WM in Bochum enttäuscht?

Thosten Lumma: Wir hatten die Hoffnung auf vollere Ränge. Für das Eröffnungsspiel Japan-Neuseeland am 27. Juni wurden bisher 7000 Karten abgesetzt. Für das letzte Spiel Nordkorea-Kolumbien am 6. Juli sind es noch weniger. Mit einer Auslastung von aktuell knapp 50 Prozent sind wir grundsätzlich aber nicht unzufrieden. Bochum hat von allen WM-Orten die schwierigsten Bedingungen.

Die da wären?

Das Ruhrgebiet ist eine fußballverwöhnte Region auch mit internationalen Begegnungen. Die Voraussetzungen für die Frauen-WM sind andere als etwa in Sinsheim oder Dresden. Ein „Once-in-a-lifetime-Gefühl“ kommt hier nur schwerlich auf. Zudem hatten wir wenig Losglück. Klar: Alle WM-Teams spielen hervorragenden Fußball. Aber in Bochum fehlen klangvolle Namen wie Brasilien oder USA.

Spielen auch die Eintrittspreise eine Rolle?

Eher weniger. Für ein Gruppenspiel kosten die Karten zwischen 30 und 50 Euro. Kinder und Jugendliche sind ab 15 Euro, in Elfergruppen ab 8 Euro dabei. Ich halte das für angemessen. Für problematischer erachte ich einige Anstoßzeiten. Das Eröffnungsspiel wird am Montag um 15 Uhr, das letzte Spiel am Mittwoch um 20.45 Uhr angepfiffen. Für die wichtigste Zielgruppe, die Familien, ist das wenig freundlich. Das zeigen die Verkaufszahlen deutlich.

Erkennen Sie auch ein allgemeines Image-Problem des Frauenfußballs?

Darüber wird gerne diskutiert. Ich halte eine aktuelle Studie der Ruhr-Uni dagegen. Danach ist 73 Prozent der Bochumer bekannt, dass ihre Stadt WM-Austragungsort ist. Am Interesse an bzw. dem Wissen um die WM mangelt es also offenbar nicht.

Kein Wunder: Immerhin hat Bochum über 3 Mio. Euro für die WM ausgegeben.

Das ist ebenso richtig wie falsch. Tatsächlich kostet die WM 3,1 Mio. Euro städtische Gelder für das Stadion und die Infrastruktur. Ein Großteil dieser Ausgaben hätte aber auch ohne die WM erfolgen müssen. Die Investitionen haben nachhaltig Bestand. Beispiele: die elektronischen Einlasskontrollen, die Erneuerung der Flutlichtanlage mit Notstromaggregat, die Medienarbeitsplätze und die Schaffung zusätzlicher Toiletten für Besucherinnen. Der VfL hat u.a. mit dem Stadioncenter gleichfalls kräftig investiert. Das Stadion wird dauerhaft ligatauglich. Wenn man so will, haben wir mit den Modernisierungen, die beizeiten sowieso notwendig geworden wären, eine WM in unsere Stadt bekommen...

. . . für die Blatters Fifa keinen eigenen Cent zahlt.

Richtig. Die Stadt partizipiert aber von den Eintrittsgeldern. Zehn Prozent der Einnahmen der vier WM-Spiele fließen in die Stadtkasse.

Kann das WM-Budget trotz des schwachen Kartenverkaufs eingehalten werden?

Aller Voraussicht nach ja – was gut drei Jahre nach Aufstellung des Etats nicht eben selbstverständlich ist.

Wer finanziert die Fanmeile, die ab Samstag das Bermuda-Dreieck füllen soll?

Die Veranstaltungen u.a. mit Kim Wilde werden hauptsächlich von den 500.000 Euro bezahlt, die das Land als WM-Zuschuss gewährt. Im Gegensatz zum Karten-Verkauf sind wir beim Rahmenprogramm übrigens in der deutschen Spitzengruppe. Das wird auch beim DFB anerkannt.

Gibt es in dieser Woche noch einen Werbe-Endspurt?

Auf den Hauptstraßen, in der City und auf den Zufahrtstraßen zum Stadion werden zusätzliche Banner und Wimpelketten angebracht. Wir hoffen auf einen letzten Schub.

Gibt’s Schüler-Freikarten, wenn die Verkaufszahlen nicht deutlich steigen?

Kein Kommentar.