Bei den Bochumer Symphonikern schauen alle auf den Solisten

BoSy-Violin-Solist Raphael Christ, der als erster einer neuen Programmreihe auch dirigiert.
BoSy-Violin-Solist Raphael Christ, der als erster einer neuen Programmreihe auch dirigiert.
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Mit dem Solo-Violinisten Raphael Christ in der Rolle des Orchesterleiters beginnt eine neue interessante Reihe der Bochumer Symphoniker: Sonntags heißt es fortan fünf Mal: „play and conduct“.

Bochum.. Nein, es ist nicht der Sparzwang, der diese neue Reihe der Bochumer Symphoniker inspiriert hat. Das Motto „play and conduct“, „spiele und dirigiere“, das für die fünf Sonntagsmatineen des Bochumer Klangkörpers im Schauspielhaus ausgegeben wurde, spart zwar den üblichen Menschen am Taktstock ein, ist aber gleichzeitig ein bereicherndes Experiment. Zumindest, wenn man dem Solo-Violinisten der BoSy glaubt. Raphael Christ macht am Sonntag (26.10., 11 Uhr) den Anfang. „Die Essenz und den Charakter eines Orchesters macht die Kammermusik aus“, sagt Christ, „gut zuhören, aufeinander reagieren. Jeder Einzelne zählt, jedes Element ist essenziell“.

Auf der Stuhlkante sitzen

Somit wird das Zusammenspiel unter dem Solisten als Leiter des Orchesters eine besondere Herausforderung. Es käme eben nicht drauf an, auf den Taktstock zu schauen, sondern „jeder muss auf der Stuhlkante sitzen“. Daraus könne ein Orchester auch lernen.

Für Raphael Christ ist es eine Premiere, ein großes Orchester zu leiten. Er habe etwas Angst gehabt vor der Größe, doch Generalmusikdirektor Steven Sloane habe abgewiegelt: „Nicht zu klein“, habe der Chef angewiesen. Doch das erste Gefühl („Was habe ich mir und dem Orchester da angetan“) ist nun der Konzentration und der Probenarbeit gewichen. Und sogar Spaß mache es, so der Virtuose.

Champagner-spritzige Matinee

Das von ihm gewählte Programm ist recht populär und wunderbar geeignet für eine Sonntagsmatinee. Im Mittelpunkt steht die „Italienische“. Die vierte Symphonie von Felix Mendelssohn-Bartholdy hat Raphael Christ auch „mindestens zehn Mal unter Abbado“ gespielt, eine „champagner-spritzige“ Komposition, so der Musiker. Zuvor steht mit Samuel Barbers „Adagio for strings“ eine getragene Komposition auf dem Programm, die besonders den Streicherklang ins Zentrum stellt. In der Mitte wird dann noch das schöne „The Red Violin“ von John Corigliano stehen, eine Oscar-prämierte Filmmusik.

Die nächsten Folgen der Sonntagsmatinee-Reihe bestreiten Alexander Lonquich (Klavier, 23.11.), Jean-Guihen Queyras (Cello, 22.1.15), Jörg Widmann (Klarinette, 15.3.) und Kolja Blacher (Violine, 17.5.).

 
 

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