Bayern isst Bochumer Currywurst im Bergwolf

Nadja Juskowiak
Currywurst ist nicht gleich Currywurst – wer die Bochumer Qualitätsvariante liebt, wird froh sein, diese auch in München vorzufinden.
Currywurst ist nicht gleich Currywurst – wer die Bochumer Qualitätsvariante liebt, wird froh sein, diese auch in München vorzufinden.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Zwei Männer aus dem Ruhrgebiet brachten das Original aus dem Bermudadreieck in die bayrische Landeshauptstadt. Münchens Nachtschwärmer schätzen Import.

Bochum. Auf dem Fernsehschirm im Imbiss Bergwolf in München laufen eher die Spiele der Ruhrgebiets-Fußballvereine als jene vom heimatlichen Bundesliga-Tabellenführer in Rot-Weiß. Ein Wunder eigentlich, aber die Inhaber sind eben von hier aus dem Pott. „Natürlich bin ich Bayern-Hasser“, bekennt Frank Bergmeyer, den es einst beruflich nach Bayern verschlagen hat. Der BVB-Fan hat nicht nur die Fußballliebe aus dem Ruhrgebiet mitgenommen, sondern auch die passende Pommesbude.

Kartoffel musste weichen

Wenn Frank Bergmeyer an die Currywurst denkt, dann ist es immer die von „Dönni“. Eine Alternative zum Bochumer Original konnte der Konzertveranstalter in München nicht finden. Ihm fehlte das würzige Schmankerl aus dem Bermudadreieck, so dass er und sein Kumpel Michael Wolf, der aus Gladbeck nach München zog, sich entschlossen, den Bayern die Currywurst zu servieren. „Ich entdeckte ein freistehendes Lokal. Es gehörte der Brauerei Müllerbräu und war eigentlich schon an jemanden vermietet, der Kartoffeln mit Quark verkaufen wollte. Ich habe dem Vertriebsleiter dann plausibel erklärt, dass es viel besser sein würde, im Zusammenhang mit der Brauerei etwas Salziges und Scharfes anzubieten. Der Mietvertrag mit den Kartoffel-Jüngern wurde schnell eliminiert“, so Bergmeyer.

Bei Gesprächen mit Dönninghaus sicherten sich die Imbiss-Gründer die Würste und Soße aus dem Pott für München und Umgebung exklusiv. „Man hört schon mal was, aber ich denke, in München sind wir noch die Einzigen“, sagt Bergmeyer. 2003 eröffneten die zwei Ruhrpottler ihren „Bergwolf“, getauft nach den eigenen Nachnamen, direkt an der U-Bahn-Station „Fraunhofer Straße“. Nach einem eher zaghaften Start freuten sich die Inhaber über einen großen Erfolg, der bis heute anhalte, so der 50-Jährige: „Es läuft super. Das Gärtnerplatzviertel, in dem wir liegen, hat sich zu einem kleinen Ausgeh- und Partyviertel entwickelt. Das kam uns zu Gute.“

Am Anfang war er auch in Küche und hinter der Theke oft vor Ort, um dem Laden ein Gesicht zu geben. Mittlerweile managt er hauptsächlich als „Büro-Gastronom“ vier Clubs und den Bergwolf. Um den Imbiss herum siedelten sich weitere Currywurst-Buden an, was 2010 laut Boulevard-Medien sogar in einen „Currywurst-Krieg“ mündete. An solcherlei Treiben will und wollte sich Frank Bergmeyer aber nicht beteiligen. Er besinnt sich auf die Qualität aus Bochum: „Was die anderen machen, ist mir egal“, stellt er klar.

Und scheinbar ähneln sich die Bayern und Bochumer doch in gewisser Weise. Der Münchner Nachtschwärmer isst wie der Bochumer am Abend oder frühen Morgen eine Currywurst von Dönninghaus. Die Currywurst hat die Weißwurst in München nicht verdrängt, aber ist angekommen. Im August ist der Bergwolf 13 Jahre am Ort und „auf jeden Fall eine feste Institution im Münchner Nachtleben“, so eine Stimme im Netz.

Auch darum gilt: Die Bochumer dürfen den Bayern am Mittwoch selbstbewusst gegenübertreten. Denn mal ehrlich: Sind wir an der Currywurstbude nicht doch alle irgendwie gleich?