Auszubildende gründen erste Schülergenossenschaft Bochums

Gordon Wüllner
Tammy-Lee Klahr (2. v. l. vorne) und Jan Westhues (2. v. r. hinten) haben als Vorstand Bochums erster Schüler-Genossenschaft viel zu tun.
Tammy-Lee Klahr (2. v. l. vorne) und Jan Westhues (2. v. r. hinten) haben als Vorstand Bochums erster Schüler-Genossenschaft viel zu tun.
Foto: Ingo Otto / FUNKE Foto Services
Angehende Chemielaboranten haben ihr Schüler-Unternehmen weiterentwickelt. Mit dem Projekt wollen sie sich der Arbeitsrealität nähern.

Bochum. Freizeit ist für Tammy-Lee Klahr (25) und Jan Westhues (27) ein Fremdwort. Beide sind in ihrem letzten Ausbildungsjahr als chemisch-technische Assistenten. Die Ausbildung an der Technischen Berufsschule 1 ist rein schulisch, bietet aber die Möglichkeit, sich nach dem Unterricht freiwillig im Schülerunternehmen „RuhrChemAlytic“ (RCA) zu engagieren und dabei in einem schuleigenen Labor Praxis-Erfahrungen zu sammeln. Klahr und Westhues „schuften“ regelmäßig in dem Labor, wie sie selbst sagen. Jetzt haben sie die RCA – gemeinsam mit Mitschülern und der GLS Bank – zu einer Genossenschaft weiterentwickelt. In Bochum ist es die erste Schülergenossenschaft, in NRW die erste im naturwissenschaftlichen Bereich.

Dass die RCA einem richtigen Unternehmen als Genossenschaft noch näher kommt, bedeutet für die Vorsitzenden Tammy-Lee Klahr und Jan Westhues vor allem eins: noch mehr Freiwilligenarbeit. Die Mitgliedsbeiträge verlangen nach einer ordentlichen Buchhaltung, es sollen Jahresabschlüsse für den Genossenschaftsverband gemacht werden, ein Aufsichtsrat und Personalmanagement wurden eingesetzt. „In die Strukturen muss man sich erst einmal reinfinden“, sagt Jan Westhues. „Aber genau das wollen wir ja: ein richtiges Verantwortungsbewusstsein lernen, um später in den Beruf besser einsteigen zu können.“

Unternehmen aufmerksam machen

Dass die RCA als naturwissenschaftlich orientierte Genossenschaft eine Pionierrolle einnimmt, war den Azubis zunächst gar nicht bewusst. „Wir sind mit blindem Auge durchgerannt“, sagt Tammy-Lee Klahr. Schülergenossenschaften würden üblicherweise in Bereichen wie Gastronomie gegründet, erklärt Johannes Korten von der GLS-Bank. Cafés oder Mensen seien da prominente Beispiele.

Mit dem Genossenschaftskapital hoffen die Auszubildenden auch, sich effektiver nach außen tragen zu können und mehr Firmen auf sich aufmerksam zu machen – was jedoch nicht heißt, dass noch keine Kooperationen mit namenhaften Regionalunternehmen zustande gekommen ist. Nicht nur Bürger können den Dienst der RCA nutzen und kostenlos Wasserproben untersuchen lassen. Die RCA bietet Firmen Umwelt- und Nahrungsmittelanalysen an. Bisher hat die RCA für die Stadtwerke den Bleigehalt des Grundwasser gemessen oder für die Fiege-Brauerei Qualitätsanalysen durchgeführt. Geld darf ein Schülerunternehmen dabei nicht annehmen. Aber auch hier geht es den Auszubildenden hauptsächlich darum, Erfahrungen für das Berufsleben zusammen. Und ein bisschen „Vitamin-B“, so die Vorsitzenden, das sei natürlich auch nicht schlecht.