Ausstellung macht unsichtbare Ereignisse sichtbar

In ihren Arbeiten bringt Vera Drebusch Zeitgeschichte und persönliche Biografie zusammen. „Im Falle des Fallens“ ist bis zum 17. Dezember zu sehen.

Bochum. Postkarten, Bücher, Soundinstallation und ein Wandteppich: In den Arbeiten von Vera Drebusch treffen politische, gesellschaftliche und soziale Themen auf ihre persönliche Biografie – dargestellt in verschiedensten Medien. Die neue Ausstellung der Künstlerin in der Galerie Januar trägt den Titel „Im Falle des Fallens“ und wird am Freitag, 6. November, eröffnet.

In „Route“ setzt sich Drebusch mit ihrer Familiengeschichte auseinander: Ihre Großmutter war nach dem Zweiten Weltkrieg vertrieben worden. Um deren Erfahrungen nachzuspüren, fuhr ihre Enkelin 300 Kilometer von Brennik in Polen über Tschechien bis ins sächsische Niederwiesa in fünf Tagen mit dem Fahrrad nach. Die Route projizierte sie auf ihre Haut am Dekolleté.

„Ich arbeite häufig mit den Erfahrungen anderer“, sagt die 29-Jährige. So zum Beispiel in der Postkarteninstallation „Erinnerungen“. Dazu stellte sie anderen in Telefoninterviews die Frage: „Was ist dein Bild zu Tschernobyl?“ Zitate aus den Antworten ließ sie abdrucken, um das Ereignis auch für andere nachempfindbar zu machen.

Zum Weiterdenken anregen

Im Obergeschoss der Galerie ist ein Teppich ausgelegt, der die Satellitenaufnahme eines Vulkans abbildet. Gleichzeitig wird der Besucher in der Sound-Arbeit in Endlosschleife mit den offiziellen Unworten der Jahre 1991 bis 2015 beschallt. Außerdem liegen in einem Bücherturm mehrere Künstlerbücher von Drebusch aus. „Ich versuche immer das optimale Medium für ein bestimmtes Motiv zu finden“, sagt sie.

Spätestens im Keller der Galerie Januar wird dann deutlich, dass auch die Auseinandersetzung mit Sprache ein Thema für die Kölnerin ist. In einer Leuchtschrift-Installation lässt sie 122 Synonyme des Wortes „Muster“ aufleuchten: „Ein Wort das jeder kennt und doch weiß keiner so genau, was es eigentlich bedeutet“, sagt die Künstlerin. So haben ihre auf den ersten Blick sehr unterschiedlichen Arbeiten doch eines gemeinsam: „Ich will die Besucher zum Weiterdenken anregen.“

 
 

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