Ausstellung im Stadtarchiv ermöglicht Besuch in der Vergangenheit

Mona Contzen
Gary Goldberg besuchte im Bochumer Stadtarchiv die Ausstellung „Bochum - das fremde und das eigene“. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Gary Goldberg besuchte im Bochumer Stadtarchiv die Ausstellung „Bochum - das fremde und das eigene“. Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool

Bochum. Der jüdische Unternehmer Leo Baer musste in der NS-Zeit aus Bochum fliehen. Über 70 Jahre später ist sein Enkel Gary Goldberg zurückgekehrt, um sich in der Ausstellung „Bochum – das fremde und das eigene“ auf die Spuren seiner Vorfahren zu begeben.

Sie leben tausende von Kilometern weit weg und sind doch ein Teil von Bochum. Familie Goldberg ist aus Kanada angereist, um die Ausstellung „Bochum – das fremde und das eigene“ am Freitag im Zentrum für Stadtgeschichte zu besuchen. Eine Dokumenttafel erzählt hier die Geschichte ihrer deutschen Vorfahren: eine Geschichte über Normalität, Ausgrenzung und Überleben.

Die Leiterin des Stadtarchivs, Dr. Ingrid Wölk, hatte in den 1990er Jahren die Lebenserinnerungen von Leo Baer entdeckt, der als jüdischer Unternehmer in der NS-Zeit mit seiner Familie aus Bochum fliehen musste. Im Gepäck seiner Frau Else: der „Löwe von Juda“. Else Baer hatte das Bronzerelief an sich genommen, als nach der Kristallnacht die jüdische Synagoge in Bochum brannte. Der Löwe reiste mit ihr ins Exil nach Frankreich, dann nach Kanada. Im Jahr 2002 schenkte ihre Tochter Karla Baer-Goldberg der Stadt Bochum eine Nachbildung des Reliefs, die heute in der neuen Synagoge ihren Platz hat.

Bochumer mit Leib und Seele

Seitdem hat Wölk von der Familie zahlreiche Dokumente bekommen, die der Ausstellung im Stadtarchiv (noch bis 4. September) nun eine individuelle Note geben. „Menschen verstehen Geschichte auf einer persönlichen Ebene besser“, erklärt Gary Goldberg, der Enkel von Leo Baer, seine Offenheit. „Individuen werden zwar von der Gesellschaft beeinflusst, man muss aber jeder Gruppe ihre Identität zugestehen.“ Eine Identität, die Leo Baer von den Nazis genommen wurde. „Mein Großvater war Bochumer, er hat sich mit dieser Stadt identifiziert. Deshalb bin ich sehr dankbar für die Ausstellung.“

Die Heimat der Goldbergs ist Kanada. Die besondere Verbindung ins Ruhrgebiet wurde jedoch von Generation zu Generation weitergegeben. „Es ist schön zu sehen, dass die Menschen hier tun, was sie können, um sich zu erinnern“, sagt Leo Baers 20-jährige Urenkelin Eden Goldberg unter Tränen. „Ich fühle mich hier willkommen, in Bochum gibt es einen Platz für uns.“