Ausstellung erinnert an Opfer der NS-Justiz

Jürgen Boebers-Süßmann
Afons Zimmer, der die Ausstellung zusammengestellt hat, inmitten der Porträts der damals in der Krümmede Inhaftierten.
Afons Zimmer, der die Ausstellung zusammengestellt hat, inmitten der Porträts der damals in der Krümmede Inhaftierten.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Ser
„Schicksalsort Gefängnis Krümmede“ wird am Donnerstag 16.6. im Zentrum für Stadtgeschichte eröffnet.

Bochum. Das Stadtarchiv zeigt bis Anfang nächsten Jahres die eindringliche Ausstellung „Schicksalsort Gefängnis. Opfer der NS-Justiz in der Krümmede“. Pastoralreferent Alfons Zimmer, seit 24 Jahren in den Bochumer Strafvollzugsanstalten beschäftigt, hat sie in privater Initiative konzipiert. Dr. Ingrid Wölk, Leiterin des Stadtarchivs: „Die Ausstellung passt gut in unser Haus, zu dessen Schwerpunkten die NS-Geschichte gehört.“

Abgeurteilt durch Sondergerichte

Während der NS-Diktatur saßen im damaligen Strafgefängnis Krümmede, der heutigen JVA Bochum, nicht nur kriminelle Gefangene ein. Zahlreiche Bürger wurden von Sondergerichten aus politischen Gründen zu Haftstrafen oder zur Todesstrafe verurteilt. „Kritik am System konnte nach dem ,Heimtückegesetz’ verfolgt werden. Zweifel am ,Endsieg’ wurden als ,Vorbereitung zum Hochverrat’ abgeurteilt“, sagt Zimmer. Auch zahllose willkürlich Verhaftete aus den von Deutschland besetzten Ländern im Westen saßen in Bochum ein.

Vertiefende Informationen am PC

An die heute so gut wie vergessenen Opfer der Diktatur soll die Ausstellung exemplarisch erinnern. Sie zeigt im Obergeschoss des Stadtarchivs in einem schwach beleuchteten Raum sehr eindrücklich 60 Gesichter; Porträts von politischen Gefangenen, die zwischen 1933 bis 1945 in der Krümmede waren. Diese Gesichter, ausgestellt in Augenhöhe, wirken unmittelbar auf den Betrachter. Anhand kurzer biografischer Daten wird an die Menschen erinnert, am Computer kann man vertiefende Informationen erlangen.

„Schicksalsort ihres Lebens“

„Die Personen stehen für eine viel größere Zahl von unbekannten und vergessenen politischen Gefangenen, darunter viele Kommunisten und Mitglieder der Arbeiterbewegung sowie Gefangene aus den Beneluxländern, die dem Widerstand in ihrer Heimat angehörten“, sagt Alfons Zimmer. Es gehe ihm vor allem um die Anerkennung der Personen an einem „zentralen Schicksalsort ihres Lebens.“

Begleitprogramm ab dem Herbst

Im Herbst wird es ein wissenschaftliches Begleitprogramm geben, u.a. mit Führungen durch die Ausstellung sowie mit Vorträgen, etwa von Dirk Frenking, Leiter der Dokumentations- und Forschungsstelle in der Justizakademie NRW.

Eröffnung am Donnerstag (16.6.) im Stadtarchiv/Zentrum für Stadtgeschichte, Wittener Straße 47. Beginn 18 Uhr, Eintritt frei.