Aus der Berliner Mauer wurde die „Stiepeler Mauer“

Pater Prior Pirmin Holzschuh bei der Einweihung der „Stiepeler Mauer“ vor hunderten von Gästen. Gebaut wurde das Kunstwerk von den Essener Architekten Ansgar Rebbelmund und Frank Eickelkamp. Foto:Gero Helm
Pater Prior Pirmin Holzschuh bei der Einweihung der „Stiepeler Mauer“ vor hunderten von Gästen. Gebaut wurde das Kunstwerk von den Essener Architekten Ansgar Rebbelmund und Frank Eickelkamp. Foto:Gero Helm
Foto: Gero Helm / FUNKE Foto Services
Ein altes Stück der Berliner Mauer ist im Kloster in ein Kunstwerk, ein Denkmal und ein Mahnmal verwandelt worden. Am Sonntag wurde es eingeweiht.

Bochum. Ein Stück der Berliner Mauer steht jetzt auch in Bochum. Das an sich hässliche Stück Beton, das bis zum Mauerfall 1989 auf dem Potsdamer Platz in Berlin den Osten vom Westen abgeriegelt hatte, steht jetzt als Kunstwerk, als Denkmal und als Mahnmal auf dem Gelände des Zisterzienserklosters Stiepel. Vor mehreren hundert Besuchern wurde „die Stiepeler Mauer“ am Sonntagmittag – 25 Jahre nach der Deutschen Einheit – durch Pater Prior Pirmin Holzschuh im Anschluss an eine Festmesse gesegnet.

Der Prior hatte sich auch andere Kunstwerke mit der Berliner Mauer, die in aller Welt verstreut sind, angeschaut. Am Sonntag resümierte er: „Keines ist so gut gelungen wie dieses.“

"Mit meinem Gott überwinde ich Mauern“

3,30 Meter hoch, 1,20 Meter breit und 2,5 Tonnen schwer ist die mit Graffiti besprühte Wand. Flankiert wird sie nun von drei ebenso hohen und breiten Glasstelen, auf denen in einer geschickten Anordnung zahlreiche welthistorische Konflikte aufgezeichnet sind, die die Menschheit bis zum heutigen Tage umtreiben. Angereichert wird diese Historie von großen Worten solcher Menschen, die für die Überwindung von Konflikten eingetreten sind.

Der alles überragende Satz, gleichsam das Leitmotiv dieses ganzen Werkes, steht aber in herausgehobenen Lettern ganz oben: „Mit meinem Gott überwinde ich Mauern.“ (Psalm 18.30). Dieses Kunstwerk zeigt vorderhand etwas Trennendes, zielt in seinem tieferen Geiste aber auf Annäherung, auf Verstehen und auf Versöhnung ab.

Bochumer Unternehmerehepaar stiftete das Kunstwerk

Die Mauer, sagte Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz am Sonntag in einem ihrer letzten Auftritte als Stadtoberhaupt, versinnbildliche „wie kein anderes Symbol“, was die Deutschen hätten ertragen müssen: das lange Getrenntsein. Sie schlug dabei auch den Bogen zu den aktuellen Flüchtlingen: Die „Willkommenskultur“ dürfe nicht nur „gesagt“, sondern müsse auch „gelebt“ werden.

Bereits vor vielen Jahren hatte das Kloster durch Verbindungen ins Bundespräsidialamt Interesse an dem Mauerstück gehabt. Ende 2014 wurde das Teil nach Bochum transportiert und vor wenigen Wochen am Kloster aufgestellt. Bewusst steht die „Stiepeler Wand“ exakt in der Himmelsrichtung wie damals in Berlin: in Nord-Süd-Richtung.

Gestiftet wurde das Werk vom Bochumer Unternehmerehepaar Anneliese und Werner Deschauer. Zur Höhe der Summe wurde gestern nichts publik. Die Eheleute waren in den 50er Jahren aus der DDR geflohen und über diverse Stationen nach Bochum gelangt.

 
 

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