Aus dem Leben der Punks im Pott

Philip Stratmann, links, und Dennis Rebmann stellen ihr Buch "Mit Schmackes", ein Buch über die Punkkultur im Ruhrgebiet vor..
Philip Stratmann, links, und Dennis Rebmann stellen ihr Buch "Mit Schmackes", ein Buch über die Punkkultur im Ruhrgebiet vor..
Foto: WAZ FotoPool
Bochum.Dennis Rebmann und Philip Stratmann haben ein Buch über Punk im Ruhrgebiet geschrieben. „Mit Schmackes!“ erforderte intensive Recherche

Bunte Frisuren und ausgeprägtes Interesse für Dosenbier, Kleingeld, Fußgängerzonen und scheppernde Musik sind nur populäre Ausformungen der Punkbewegung. Eine große Bestandsaufnahme von „Punk im Ruhrgebiet“ - mit dem Schwerpunkt auf die Musik - haben nun zwei Bochumer Autoren vorgenommen. Dennis Rebmann und Philip Stratmann legen aktuell das momentan maßgebliche Standardwerk „Mit Schmackes!“ vor.

5000 Biere getrunken

Manchen machen die oft wilden Gestalten noch immer Angst, andere haben den „Punk“ schon akademisiert. Aber so etwas wie die detailliert nachgewiesene Linie vom Dada über die anderen Avantgarden des 20. Jahrhunderts bis zum Punk-Urknall von 1977, wie sie der amerikanische Essayist Greil Marcus mit viel Adorno-Gewürz in seinem Buch „Lipstick Traces“ versucht hat, das lag nicht im Interesse der Autoren. Der RUB-Student Rebmann (Jahrgang 1981) und der Referendar (Deutsch, Philosophie - momentan an der Heinrich-Böll-Gesamtschule) Stratmann (Jahrgang 82) haben seit November 2011 „Lücken in Plattensammlungen geschlossen, Texte gesichtet, Gastautoren gesucht, etwa 50 Interviews geführt, dabei viel Spaß gehabt und gefühlte 5000 Bier getrunken.“

Anekdotenreich und lebendig

Der Spaß ist den 274 Seiten im festen Einband anzumerken; das Bier auch, allerdings nur in dem Sinne, dass die Texte sehr anekdotenreich und lebendig geworden sind. Ein Bescheidwisser-Musikjournalismus sei nicht ihr Schreibziel gewesen, so die Autoren, eher Fanzine-Stil. Und so sind deftige Konzertberichte zu lesen, genauso wie sehr lebensnahe Beschreibungen aus der gut vernetzten Szene des Ruhrgebiets. Den Fokus haben die Autoren auf noch aktive Bands, Fanzines, Läden, Labels gelegt. Über die Anfänge und Historie der Bewegung zu schreiben, haben sie gerne klug gewählten, kompetenten Gastautoren überlassen.

Kassierer sind Punk- Ikonen

Bochum ist recht populär vertreten: die Kassierer aus Wattenscheid sind bekannte Punk-Ikonen. Sehr lesenswert in diesem Zusammenhang ist der „Erlebnisbericht“ von Prof. Dr. Thomas Hecken (derzeit Uni Siegen), der 2005 als frisch promovierter Literaturwissenschaftler der RUB, als Gutachter mit der Band gegen eine Indizierung einer Platte antrat. Mit doppeltem Erfolg. Das Unternehmen gelang, die Platte durfte weiter frei verkauft werden. Und: „Auf keinen Text von mir bin ich so oft angesprochen worden und angeschrieben worden wie auf dieses unpublizierte Gutachten, da konnte ich noch so viele Aufsätze und Bücher veröffentlichen.“

Erzählt werden etwa auch die Story des Ladens „Dirty Faces“ an der Unistraße (dem unter anderen ein riesiger Schimmelpilz 2007 den Garaus machte) und natürlich des Zwischenfalls in Langendreer. Der ist Geschichte, doch der Punk lebt.

Info
„Mit Schmackes! Punk im Ruhrgebiet“, ist bei Henselowsky Boschmann, Bottrop, erschienen, 274 Seiten, und kostet 18,90 €.


Auf www.punkimruhrgebiet.de wurden und werden Entstehung und Reaktionen im Internet begleitet.


Mit „Punkrockers-Radio.de“ soll demnächst eine Gratis-Download-Compilation erscheinen.

EURE FAVORITEN