Aus dem Imax-Kino ist eine Spielhalle geworden

Sven Westernströer
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Einst kamen hier Superstars wie Siegfried und Roy vorbei, dann stand das Imax-Kino am Stadionring jahrelang leer. Jetzt ist eine „Spielstation“ dort eingezogen: Für 3,5 Millionen Euro ist das ehemalige Lichtspielhaus aufwändig renoviert worden.

Bochum. Erinnert sich noch jemand ans „Imax“? Es ist schon eine Weile her, seit Superstars wie Siegfried und Roy höchstselbst zum Stadionring kamen, um ihre neuen Filme auf der überdimensionalen Leinwand des Imax-Kinos vorzustellen.

Dann kam die große Pleite. Seit dem Jahr 2003 stand der Kasten direkt neben dem Starlight-Theater leer. Einige Pläne für eine neue Nutzung des Hauses wurden seither gesponnen und schnell wieder verworfen: etwa eine Erotik-Bar mit Hotel oder eine Disco sollten hier einmal einziehen.

Jetzt hat das ehemalige Imax tatsächlich einen neuen Bewohner gefunden. Still und leise, ohne große Eröffnungsparty, hat hier eine „Spielstation“ eröffnet. Ans alte Kino erinnert nichts mehr, dafür sieht das Haus wie verwandelt aus.

Zehn abgetrennte Spielbereiche

Die Schmidt-Gruppe mit Sitz in Coesfeld hat das Gebäude gekauft und für 3,5 Millionen Euro aufwändig umgestaltet. Allein die komplette Entkernung des Gebäudes habe rund ein Jahr gedauert, berichtet Sprecherin Stefanie Klönne. „Nur die alte Rolltreppe ist geblieben“, sagt sie. „Der Rest ist komplett neu.“

Auf drei Etagen stehen hier insgesamt 96 Spielgeräte, „alle auf dem modernsten Stand der Technik“, wie die Sprecherin anfügt. Unterteilt ist die Spielhalle in zehn „Konzessionen“: Das sind jeweils abgetrennte Spielbereiche für Raucher und Nichtraucher, in denen die Automaten auf ihre zahlungswilligen Kunden warten. Dabei sind dies längst keine Flipper oder „einarmige Banditen“ mehr, wie man sie von früher kennt. Die Spielgeräte heutiger Zeit sehen mehr aus wie überdimensionale Computer, in Kennerkreisen auch „Multi Gamer“ genannt, die jeweils rund 30 Spiele für ihre Nutzer bereit halten. Dazu gibt es zwei Billardtische.

Striktes Alkoholverbot

Der Look der Spielhalle ist edel in grau-braunen Tönen mit dicken Teppichen und kunstvollen Dekorationen. Die Innenarchitekten haben ganze Arbeit geleistet. Das Ambiente ist relativ dunkel – auch, damit die Spieler die leuchtenden Farben ihrer Bildschirme besser erkennen. „Wenn man es zu hell macht, dann hätten die Gäste beim Spielen womöglich Schwierigkeiten“, meint Klönne.

Von der normalen Spielhalle um die Ecke möchte sich die „Spielstation“ bewusst abgrenzen. „Wir bieten gehobenes Entertainment, bei dem sich jeder wohl fühlen soll“, so die Sprecherin.

Dazu trägt sicher auch bei, dass im ganzen Haus striktes Alkoholverbot herrscht. „Wer schon angetrunken hier ankommt, wird nicht reingelassen“, sagt Klönne. Wie in Spielhallen dieser Art üblich ist der Einlass ohnehin erst ab 18 Jahren gestattet. Geöffnet ist von morgens sechs bis nachts um eins. Zehn Mitarbeiter sind Vollzeit am Stadionring beschäftigt.

170 Spielhallen betreibt die Schmidt-Gruppe in Deutschland – bevorzugt am Stadtrand als so genannte Drive-Läden. Das Bochumer Haus sei für die Gruppe ein besonders faszinierendes Gebäude, meint die Sprecherin: „Ein Imax-Kino in eine Spielstation umzubauen, das war auch für uns eine Herausforderung.“

Der Trend geht an den Stadtrand

Aktuell gibt es in Bochum 94 Spielhallen. Die Tendenz sei eher rückläufig, sagt Stadtsprecherin Tanja Wißing. „In der Regel öffnen solche Betriebe auf einer Gewerbefläche“, sagt sie. „Mit Blick darauf, dass Spielhallen in Bochum bis 1 Uhr nachts öffnen dürfen, ist es der Stadt durchaus nicht unlieb, wenn sie an wenig exponierten Orten öffnen.“

Ähnlich sieht man dies auch bei der IHK: „Es gibt in vielen Städten die Tendenz, Spielhallen aus den Innenstädten heraus zu halten“, so Sprecher Jörg Linden. „Dass Spielhallen direkt neben der Kirchentür öffnen, ist stadtpolitisch vermutlich eher wenig sinnvoll.“