Aufnahmelager für Flüchtlinge in Bochum bleibt bis Ende Oktober bestehen

Andreas Rorowski
Jörg Balzer leitet die DRK-Einsatzzentrale an der Lewacker Schule. Sie ist in der Turnhalle der ehemalige Förderschule untergebracht. Dort sind für die rund um die Uhr eingesetzten Kräfte auch Notbetten eingerichtet.
Jörg Balzer leitet die DRK-Einsatzzentrale an der Lewacker Schule. Sie ist in der Turnhalle der ehemalige Förderschule untergebracht. Dort sind für die rund um die Uhr eingesetzten Kräfte auch Notbetten eingerichtet.
Foto: WAZ FotoPool
Seit Mittwoch beurteilt ein Beobachter der Bezirksregierung aus Arnsberg täglich Betreuung und Sicherheit der 138 Flüchtlinge im Erstaufnahmelager in Bochum-Linden. Neben ihnen sind derzeit 1200 Menschen aus etwa 40 Nationen in der Stadt untergebracht. Und der Bedarf an Wohnraum wird weiter steigen.

Bochum. Neue Flüchtlinge werden aller Voraussicht nach in den nächsten Tagen in das Erstaufnahmelager an der Lewacker Straße in Linden einziehen. Mit Hochdruck arbeite die Bezirksregierung derzeit daran, so Sprecher Christian Chmel-Menges, die 138 dort lebenden Menschen auf andere NRW-Städte zu verteilen. Die frühere Förderschule werde voraussichtlich bis Ende Oktober noch als Aufnahmelager dienen. „Das ist der Stand heute.“ Es sei unverändert so, „dass nicht geplant ist, die Einrichtung dauerhaft zu nutzen“.

Seit gestern gibt es an der Lewacker Straße auch einen Vertreter der Bezirksregierung, der die Betreuung der Flüchtlinge und vor dem Hintergrund der jüngsten Vorfälle im Siegerland und in Essen vor allem auch Fragen der Sicherheit begutachtet. Er wird täglich vor Ort sein und gehört einer neu eingerichteten Arbeitsgruppe an, die aus Mitarbeitern verschiedener Dezernate gebildet wurde und die in allen Städten mit vorübergehenden Aufnahmelagern eingesetzt ist.

Zuvor hatte es schon, so Bochums Sozialdezernentin Britta Anger, eine Anfrage aus Düsseldorf zu den Sicherheitsvorkehrungen an und in Flüchtlingsunterkünften gegeben. Bochum habe mit seiner bisherigen Verfahrensweise, ein Wittener Wachdienst ist für die Sicherheit der Einrichtungen zuständig, gute Erfahrung gemacht. Alle Mitarbeiter, die eingesetzt werden, müssen ein polizeiliches Führungszeugnis vorlegen.

Wohnraum für Flüchtlinge gesucht

Britta Anger mag sich in diesen Tagen manchmal wie eine Immobilienmaklerin vorkommen. Gestern Morgen hat sich die Sozialdezernentin ein Haus in Mitte geguckt, einige Tage vorher ein Gebäude im Norden der Stadt. Und am Montag stand in der Bezirksvertretung Wattenscheid die Sanierung von städtischen Häusern auf der Tagesordnung. Geeignete Unterkünfte für Flüchtlinge zu finden und bereit zu stellen, ist derzeit eines der beherrschenden Themen im Dezernat. 1200 Flüchtlinge aus etwa 40 Nationen (Grafik) beherbergt die Stadt momentan. „Aber der Bedarf wird weiter steigen“, sagt die Sozialdezernentin.

Deshalb wird die schon laufende Sanierung von angemieteten Wohnungen an der Günnigfelder Straße (Hordel) für etwa 70 Syrer ebenso wenig reichen wie der geplante Umbau mehrerer städtischer Häuser an der Heimstraße (Wattenscheid). Dort sollen bis Ende 2016 für etwa zwei Millionen Euro, die der Rat noch außerplanmäßig bereitstellen müsste, 35 Wohnungen hergerichtet werden. Denn: Die Flüchtlingszahl wächst.

Zuteilungsquote: 1,9 Prozent

1,9 Prozent der nach NRW kommenden Flüchtlinge werden Bochum zugeteilt. Und nicht alle Unterbringungsmöglichkeiten sind von Dauer. So werden etwa einige von der VBW gemietete Häuser in Querenburg nur bis Herbst 2015 zur Verfügung stehen.

So wie dort die Nachbarn in der Straße „Zum Schebbruch“ über die vorübergehende Nutzung der eigentlich schon zum Abbruch bestimmten Häuser informiert worden, sollen demnächst auch die Anwohner an der Günnigfelder Straße in einer Info-Veranstaltung von Stadt und evangelischer Kirchengemeinde Details über die neue Nutzung erfahren.

Flüchtlinge sollen in Häuser und Wohnungen

Nötig scheint dies auch an der Heimstraße zu sein. Dort beklagen sich Bewohner – 18 Wohnungen in den Häusern 1,3,5,7,9 sind noch vermietet – dass sie vor „vollendete Tatsachen“ gestellt werden, zum Teil sogar lebenslanges Wohnrecht missachtet werde. Die Sozialdezernentin verweist darauf, dass Lösungen im Einzelfall gefunden werden müssten. Im Übrigen könne es sich die Stadt „nicht leisten, Wohnraum leer stehen zu lassen“.

Strategie der Stadt ist es, Flüchtlinge grundsätzlich in Häusern und Wohnungen unterzubringen. Dennoch sollen mittelfristig auch sechs Flüchtlingsheime verteilt über das gesamte Stadtgebiet eingerichtet werden – inklusive der bereits bestehenden Heime. Überlegungen, ob Immobilien gekauft, gemietet oder neu gebaut werden sollen, laufen. Zur Planung gehört die mittelfristige Sanierung der Einrichtungen an der Emil- und an der Krachtstraße. Nicht ausschließen will die Sozialdezernentin außerdem, dass wie schon an der Wohlfahrtstraße auch noch mobile Unterbringungsmöglichkeiten geschaffen werden.