Arzthelferin aus Bochum erkämpft Abfindung nach dubioser Kündigung

Ein Bochumer Zahnarzt kündigte seiner Helferin aus finanziellen Gründen, schrieb die Stelle aber neu aus. Die Bochumerin erhält 7000 Euro.
Ein Bochumer Zahnarzt kündigte seiner Helferin aus finanziellen Gründen, schrieb die Stelle aber neu aus. Die Bochumerin erhält 7000 Euro.
Foto: Uwe Schaffmeister
Eine Bochumer Zahnarzthelferin hat vor Gericht nach einer Kündigung 7000 Euro erstritten. Der Zahnarzt kündigte ihr angeblich aus finanziellen Gründen, gab aber kurz darauf eine neue Stellenanzeige auf. Sie vermutet, dass die Praxis sie loswerden wollte, weil sie heiratet und Mutterschutz beanspruchen könnte.

Bochum. „Das ist richtig krass und traurig. Ich bin sehr enttäuscht.“ Mit diesen Worten kommentierte eine 27-jährige Zahnarzthelferin die Kündigung ihres Chef, ein Bochumer Zahnarzt. Zehn Jahre lang war sie dort in Vollzeit angestellt und plötzlich wurde sie gekündigt, angeblich aus finanziellen Gründen, also quasi betriebsbedingt. Doch nur wenige Tage nach Ablauf der dreimonatigen Kündigungsfrist entdeckte die 27-Jährige Anfang Januar eine Stellenanzeige des Zahnarztes in einer Bochumer Zeitung. Darin suchte er zu ihrer großen Überraschung eine neue Zahnarzthelferin und eine Auszubildende.

Die 27-Jährige ging daraufhin zum Bochumer Rechtsanwalt Rolf K. Tintrup, der eine Klage beim hiesigen Arbeitsgericht einreichte. Vor wenigen Tagen schlug die 5. Kammer des Gerichts angesichts der denkwürdigen Umstände der Kündigung einen Vergleich vor: 8400 Euro sollte die Praxis der Gekündigten nachzahlen - „auf dringende Empfehlung des Gerichts“, wie Tintrup sagt. Beide Seiten einigten sich schließlich auf einen Betrag von 7000 Euro. Es ist eine Art Abfindung.

Kein gesetzlicher Kündigungsschutz

„Ich bin zehn Jahre dort gewesen, ein vertrauensvoller Mensch“, ärgert sich die 27-Jährige. „Ich bin da groß geworden.“ Die Kündigung habe sie „sehr mitgenommen“, sie fühle sich „im Stich gelassen“, zumal sie auch regelmäßig Überstunden gemacht habe. Sie vermutet, dass die Zahnarztpraxis sie nur deshalb loswerden wollte, weil sie jetzt heiratet und bald Mutterschutz beanspruchen könnte.

Das Arbeitsgericht erklärte gestern auf WAZ-Anfrage, dass die Klägerin zwar keinen gesetzlichen Kündigungsschutz gehabt habe, weil die Praxis weniger als zehn Vollzeitstellen habe. Sie hätte also ohne jede Begründung fristgemäß gekündigt werden können.

Soziale Komponente

Durch seine Stellenanzeige habe sich der Arbeitgeber allerdings widersprüchlich verhalten, denn offenbar gebe es doch mehr Arbeitsbedarf in der Praxis und nicht weniger. Außerdem berücksichtige das Gericht die soziale Komponente bei der Kündigung. Die Klägerin sei die älteste und am längsten dort beschäftigte Arzthelferin gewesen, hieß es.

Zurzeit sucht sie eine neue Anstellung als Arzthelferin.

 
 

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