Arne Nobel und das Rottstr5-Theater trennen sich

Arne Nobel gab am Montag, 2. August 2010 in Bochum der WAZ ein Interview. Foto: Ingo Otto
Arne Nobel gab am Montag, 2. August 2010 in Bochum der WAZ ein Interview. Foto: Ingo Otto
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Das Theater an der Rottstraße wird ab sofort nicht mehr von Arne Nobel geleitet. Wie Pressesprecher Honke Rambow mitteilt, habe sich der Verein im Einvernehmen mit Nobel entschlossen „ ihn bis auf Weiteres von allen Pflichten im Vorstand des Vereins und damit auch seiner Mitgliedschaft zu entbinden“.

Bochum.. Im September war mitgeteilt worden, dass sich Nobel eine Auszeit vom operativen und künstlerischen Geschäft im Theater nehmen wolle. Sein Ziel sei es gewesen, „sowohl künstlerisch als auch persönlich nach zwei Jahren ununterbrochener Arbeit zur Ruhe zu kommen und sich neu zu ordnen“. Dieser Prozess nehme nun „wesentlich mehr Zeit in Anspruch“ als gehofft, eine Rückkehr von Arne Nobel ans Rottstr5-Theater sei in den kommenden Monaten nicht abzusehen.

Weiter heißt es, die Leitung übernähmen fortan Hans Dreher, ebenfalls Mitbegründer des Theaters, und Oliver Paolo Thomas. Die Lücke im Vorstand wird voraussichtlich durch Pressechef Honke Rambow geschlossen.

Prägende Figur

Arne Nobel war die prägendste Figur des jungen Off-Theaters und hat dieses sowohl maßgeblich künstlerisch geprägt wie auch nach außen repräsentiert. Er hat an der Grenze zur Selbstausbeutung und offenbar darüber hinaus gearbeitet und aus einer Neugründung innerhalb von nur zwei Jahren eine der bekanntesten freien Theater überhaupt in Deutschland gemacht. Unter seiner Ägide wurden überregionale Auszeichnungen gewonnen; das Theater avancierte vom Geheimtipp zur festen kulturellen Größe in der Stadt.

Er holte prominente Namen ins Haus, spielte seine langjährigen Kontakte in der Szene voll aus. Sein Konzept war es, professionelle Schauspieler spielen zu lassen, direkt, emotional und rau. Gleichzeitig hatte sein Haus aber gegen die Bürokratie zu kämpfen, später auch um öffentliche Zuschüsse für die Arbeit. Wie sehr ihn diese Vollzeitarbeit erschöpft hat, wurde in den letzten Monaten offenbar überdeutlich.

Keine juristische Auseinandersetzung

„Seine Unzufriedenheit in der alltäglichen Arbeit war weder für uns noch für ihn tragbar“, formulierte Hans Dreher das Problem. Zu Gerüchten rund um gesundheitliche Probleme und um finanzielle Unregelmäßigkeiten im Zusammenhang mit Nobel wollte „und könnte“ sich Dreher nicht äußern. Es gebe aber keinerlei juristische Auseinandersetzung, betonte er. Sicher erscheint, dass sich Nobel mit einigen Mitarbeitern überworfen hat.

Theater macht weiter

Das Theater macht definitiv weiter. „Bis auf weiteres haben wir genügend Leute, die weiter Theater machen können wie bisher. Das Rottstr5-Theater hat immer von der Teamarbeit gelebt“, heißt es. Trotzdem sei das Aus für Nobel „ein großer Verlust, er war die Galionsfigur des Hauses“. Dreher hofft aber, dass die von Nobel inszenierten Stücke weiter auf dem Spielplan bleiben können. Auch sei der aktuelle Beschluss nicht das endgültige Aus für Nobel.

Arne Nobel war für die WAZ für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Seine ursprünglich geplante Rolle in der für den 26. November geplanten Uraufführung des Stückes „Volkers Lied“ von Werner Streletz hat Marin Bretschneider übernommen.

 
 

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