Anwohner - Stadt will Baumscheiben dauerhaft versiegeln

Jürgen Stahl
WAZ-Leser Dirk John fotografierte die Arbeiten an der Baumschreibe an der Laerfeldstraße.
WAZ-Leser Dirk John fotografierte die Arbeiten an der Baumschreibe an der Laerfeldstraße.
Foto: WAZ
Knapp 2800 Straßenbäume in Bochum sind Opfer des Pfingststurms Ela geworden. Ein WAZ-Leser argewöhnt, dass die Baumscheiben an einigen Standorten dauerhaft versiegelt werden sollen. Das Grünflächenamt widerspricht,

Bochum. „Hier sollte nach dem Pfingststurm offenkundig nie wieder ein Baum gepflanzt werden.“ In letzter Minute verhinderte Dirk John, dass eine Baumscheibe vor seiner Wohnung in Laer asphaltiert wurde. Diese Deckel-drauf-Methode könnte auch andernorts greifen, argwöhnt der WAZ-Leser. Das Umwelt- und Grünflächenamt widerspricht.

485 Straßenbäume in Bochum wurden beim Pfingst-Unwetter zerstört. Weitere 2300 mussten und müssen nach Prognosen des Grünflächenamtes gefällt werden. Einen 1:1-Ersatz werde es nicht geben, hatte die Stadt frühzeitig angekündigt. Dazu reichen die vom Land bereitgestellten Hilfsgelder für die Kommunen bei Weitem nicht aus.

Rüttelplatte weckt Misstrauen

An der Laerfeldstraße habe die Stadt bereits Fakten schaffen wollen. Das zumindest vermutet Anwohner Dirk John, der dieser Tage durch Lärm geweckt wurde. Vor seinem Wohnhaus arbeiteten Männer des Tiefbauamtes. Sie entfernten den Stumpf eines mächtigen Straßenbaums, den Ela aus den Wurzeln gehauen hatte, füllten das Loch auf und verdichteten das Ganze mit einer Rüttelplatte.

Rüttelplatte? Dirk John wurde hellhörig: „Mutterboden für einen neuen Baum wird doch nicht mit der Rüttelplatte verdichtet.“ Von den Arbeitern erfuhr er, dass die Fläche der Baumscheibe asphaltiert werden solle. „Der Straßenmeister gab an, dass diese Anordnung von ,ganz oben’ kommt.“ Der Naturfreund protestierte unverzüglich im Rathaus. John: „Ich erreichte, dass die Arbeiten ohne Asphaltierung abgeschlossen wurden. Auf die Baumscheibe wurde lockerer Boden aufgebracht, der eine spätere Bepflanzung zulässt.“

Aufgabe wird Jahre beanpruchen

Genau das sei an allen Einsatzorten gewährleistet, betont Grünflächenamtsleiter Thorsten Lumma. An zahlreichen Stellen im Stadtgebiet werden derzeit die Stümpfe entwurzelter Bäume entfernt. „Die Löcher werden verkehrssicher gemacht. Dabei wird ein Mineralgemisch, bei Bedarf auch Asphalt verwendet. So oder so ist das aber nur eine provisorische Schließung. Jede Baumscheibe kann für eine spätere Neubepflanzung wieder geöffnet werden“, entgegnet der Behördenchef auf WAZ-Anfrage.

Ob vor der Wohnung von Dirk John an der Laerfeldstraße irgendwann wieder ein Baum stehen wird, ist ungewiss. Laut Lumma ist derzeit nicht abzusehen, wieviele der 2800 Ela-Bäume ersetzt werden können. Das hänge u.a. vom Haushalt 2015 ab. Sicher sei: „Das ist eine Aufgabe, die uns noch Jahre in Anspruch nehmen wird.“