Anwohner in Bochum fühlen sich in Debatte um Flüchtlingsheim schlecht informiert

Michael Weeke
Vor einem Monat hat die Stadt Dortmund einige Häuser der Obdachlosenunterkunft Grevendicks Feld mit Flüchtlingen bezogen. Foto: Knut Vahlensieck
Vor einem Monat hat die Stadt Dortmund einige Häuser der Obdachlosenunterkunft Grevendicks Feld mit Flüchtlingen bezogen. Foto: Knut Vahlensieck
Foto: Knut Vahlensieck
Die Stadt Dortmund hat einige Häuser der Obdachlosenunterkunft Grevendicks Feld mit Flüchtlingen bezogen. Auf dem Rücken der Flüchtlinge versuchen rechte Demagogen, Stimmung zu machen. Bochumer Anwohner fühlen sich indes schlecht Informiert.

Bochum/Dortmund. Auf dem Rücken von 152 Flüchtlingen, darunter über die Hälfte Kinder und Jugendliche, versuchen rechte Demagogen Stimmung zu machen an der Wilhelmshöhe. Vor einem Monat hat die Stadt Dortmund einige Häuser der Obdachlosenunterkunft Grevendicks Feld mit Flüchtlingen bezogen, einer von drei Seiten von Bochumer Gebiet umschlossene Enklave. Die Asylbewerber mussten aus Unterkünften in alten britischen Kasernen am Westfalendamm ausziehen.

Offenbar gezielt gestreut wurden Gerüchte von Kriminalität, die angeblich im Umfeld dieser Unterkunft gestiegen sei. „Gar nichts ist da dran. Das hat uns Polizei und Jugendgerichtshilfe bestätigt“, sagt der stellvertretende Sozialamtsleiter der Stadt Dortmund Jörg Süshardt. Bereits zwei Mal gab es angebliche Demonstrationen gegen das Flüchtlingslager, in dem Menschen aus Afghanistan, dem Irak, Guinea, Schwarzafrika oder Tadschikistan leben. Darunter befinden sich rund 40 Jugendliche im Alter zwischen 16 und 18 Jahren, die ohne Eltern nach Deutschland kamen.

Anwohner fühlen sich schlecht informiert

Sabine Büngener bringt auf den Punkt, was viele Anwohner denken. Mit ihrem Mann und den beiden 13 und 16 Jahre alten Kindern lebt sie in der Finkenbecke, nur etwas mehr als 100 Meter von den Häussern Grevendicks Feld entfernt: „Wir fühlen uns einfach schlecht informiert. Ich frage mich etwa, warum ein Zaun gezogen wurde um diese Häuser.“ Der rund zwei Meter hohe Zaun soll die Bewohner des Heimes vor Übergriffen schützen, hieß es dazu.

Doch das Beispiel zeigt: Es gibt offensichtlich ein Informationsdefizit, eine mangelhafte Kommunikation zwischen Dortmund und Bochum. Zwar lud der Lütgendortmunder Bezirksbürgermeister zu einer gut besuchten Bürgerversammlung im Februar. Doch aus formalen Gründen konnten Bochumer Bürger nicht eingeladen worden. Eher zufällig erfuhren einige davon und kamen.

Vorbehalte rühren aus den 90er Jahren

Mittlerweile existiert ein Dialogforum. Bereits zwei Mal tagte das Gremium, um alle Fragen rund um das neue Flüchtlingsheim zu besprechen. Jörg Süshardt lädt interessierte Bochumer Anwohner ein, sich an diesem Dialog zu beteiligen. Er jedenfalls sei jederzeit ansprechbar (Rufnummer: 0231 50 22 500).

Sozialdemokraten aus Bochums Osten stehen im Gespräch mit Vertretern der Stadt Dortmund. Im Mai wollen sie zu einer Versammlung einladen, verspricht Heinz-Martin Dirks, Vorsitzender des Ortsvereins Wilhelmshöhe. Sein Vertreter Manfred Vierling vermutet, dass einige der Vorbehalte gegenüber den Flüchtlingen aus der Zeit rühren, als es in den 90er Jahren rund um das jetzt abgerissene Heim Everstalstraße zu Diebstählen kam. Übrigens lädt das Heim Grevendicks Feld für Samstag (30.04.), 14 Uhr, zum Basar ein. Dazu sind alle Nachbarn eingeladen.