Angst um die Stahlstadt Bochum - 2600 Jobs in Gefahr

Wie lange rauchen die Schlote noch? An der Essener Straße unterhält Thyssen-Krupp unter anderem ein hochmodernes
Wie lange rauchen die Schlote noch? An der Essener Straße unterhält Thyssen-Krupp unter anderem ein hochmodernes
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Thyssen-Krupp-Betriebsräte befürchten durch Restrukturierung oder Fusion das komplette Aus. Der Verlust von 2600 Arbeitsplätzen droht.

Bochum. Zum ersten Mal in der über 170-jährigen Geschichte der Stahlindustrie in dieser Stadt sehen die Betriebsräte der beiden großen Werks-Standorte von Thyssen-Krupp deren Zukunft ganz konkret und komplett infrage gestellt. In den Werken von Thyssen-Krupp-Stahl an der Essener und der Castroper Straße arbeiten zusammen noch rund 2600 Beschäftigte: „Bochum ist mittlerweile zum Schlachtfeld für Industriearbeitsplätze geworden“, so der Gewerkschafter Heinz Gerhard.

Bei einer Informationsveranstaltung zur Neuorganisation hatte Konzernchef Heinrich Hiesinger Anfang Juni eine Konsolidierung der kompletten Stahlsparte angekündigt. Meldungen über mögliche Fusionspläne mit dem indischen Tata-Konzern sorgen zudem für große Unruhe in den Belegschaften vor allem der kleineren Standorte.

Kein Wandel ohne Stahl denkbar

Auf der Belegschaftsversammlung des Bochumer Werks am 15 . Juni sprach auch der Bochumer SPD-Bundestagsabgeordnete Axel Schäfer. „Für mich ist ein industrieller Wandel hier vor Ort ohne den Stahl überhaupt nicht denkbar“, sagte er. Es gebe auch heute gute Argumente dafür, dass Bochum auch künftig Stahlstadt bleiben könne.

Die Betriebsratsvorsitzenden Harald Pfennig (Essener Straße) und Dirk Sievers (Castroper Straße) wiesen gemeinsam darauf hin, dass allein in den vergangenen 16 Jahren in den acht größten Metall-/Stahlarbeitgebern dieser Stadt knapp 20 000 Arbeitsplätze vernichtet worden seien.

„Ein unhaltbarer Zustand“

Harald Pfennig, der auch im Aufsichtsrat von Thyssen-Krupp-Stahl sitzt, sagte, dass sich die Beschäftigten natürlich nicht gegen eine weitere Optimierung stemmen würden. „Die jetzige Unruhe, die ganze Situation, das ist doch ein unhaltbarer Zustand.“

Für Dirk Sievers, der für das Werk an der Castroper Straße spricht, wo hauptsächlich Elektroband hergestellt wird, versteht die ganze Diskussion ohnehin nicht. „Gerade jetzt, wo die Elektromobilität für volle Auftragsbücher sorgt, können wir doch solche Nachrichten überhaupt nicht gebauchen.“ IG-Metall-Bevollmächtigte Eva Kerkemeier, hat für die nächsten Wochen bereits Gespräche mit Oberbürgermeister Thomas Eiskirch vereinbart, um das weitere Vorgehen abzustimmen. „Eins ist sicher, wir werden hier um jeden Arbeitsplatz kämpfen“, so Kerkemeier. Die Stahl-Betriebsräte sehen kaum Möglichkeiten einer weiteren Optimierung. Erst vor wenigen Jahren hätten die Stahlwerker mit der 31-Stunden-Woche ohne Lohnausgleich einen großen Beitrag zum Erhalt ihrer Arbeitsplätze beigetragen.

 
 

EURE FAVORITEN