Alte Krypta nimmt neue Skulptur auf

JürgenBoebers-Süßmann
So sieht die Skulptur „Prow“ aus. Christel und Rolf Müller schauen sich das Werk  aus der Nähe an.
So sieht die Skulptur „Prow“ aus. Christel und Rolf Müller schauen sich das Werk aus der Nähe an.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
  • Schlosspark Weitmar erhält ein weiteres Werk zeitgenössischer Kunst.
  • In der Ruine der St.-Sylvester-Kapelle wurde ein drehbarer Sockel installiert.
  • Bronze-Plastik „Prow“ präsentiert sich hinter Glas.

Bochum. Das Wetter war herrlich, der Besucherandrang ordentlich und die allgemeine Zustimmung groß: Zur Platzierung der Plastik „Prow“ des US-Künstlers William G. Tucker (*1935) im Skulpturenpark von Haus Weitmar stimmte am Montag Vormittag eigentlich alles. Man konnte die Bronze sogar hautnah in Augenschein nehmen. Das wird nun nicht mehr möglich sein, denn das Werk präsentiert sich fortan hinter Glas.

Schenkung an die Stiftung

Das ist nur eine weitere Besonderheit des Skulpturenparks, der, wie Oberbürgermeister Thomas Eiskirch (SPD) in seinem Grußwort sagte, „eine absolute Bereicherung für unsere Stadt“ darstellt. Denn zusammen mit den musealen Ensembles von Situation Kunst und dem Museum unter Tage verfügt der Park inzwischen über eine geballte künstlerische Dichte. „Nun wird das einzigartige Areal um ein weiteres hochkarätiges Werk zeitgenössischer Kunst bereichert“, so RUB-Rektor Axel Schöllmerich als Hausherr von „Situation Kunst“.

Verschiedene Assoziationen

Auf Initiative von Alexander und Silke von Berswordt-Wallrabe wurde Tuckers „Prow“ (2010) in die ehemalige Krypta der St.-Sylvester-Kapelle integriert. Der Raum ist nicht zugänglich, durch eine neu eingebaute Glastür lässt sich die etwa 90 cm große Skulptur beobachten – rund um die Uhr auf einem beleuchteten, langsam rotierenden Sockel. Die von Berswordts haben „Prow“ als Dauerleihgabe aus Privatbesitz an die Stiftung Situation Kunst übergeben. Alles zusammen hat - samt Herrichtung des Ausstellungsbereichs mitsamt Treppe und Beleuchtung - rund 25 000 Euro gekostet; die Sparkassen-Stiftung förderte das Kunst-Stück großzügig.

„Prow“ ist englisch für „Schiffsbug“, aber der Bronzeguss lässt auch ganz andere Assoziationen zu. Er deutet in seiner vertikal-gebogenen, torsoartigen Form einen Zustand des Übergangs bloßer Materie (Lehmklumpen) zu einer menschenähnlichen Gestalt an. In ihrer geschwungenen Neigung geht die Skulptur mit dem gebogenen Mauerwerk des romanischen Tonnengewölbes der Krypta, das sie umschließt, eine Beziehung ein.

Gewachsene Verbindung

Direkt auf die Architektur der baulichen Reste der Kapelle bezogen ist auch die 2012 aufgestellte, allerdings viel strenger wirkende Stahlskulptur „O.I.C.“ (1999) von Richard Serra. Deren zwei quaderförmigen Schmiedestahl-Blöcke wurden im höher gelegenen Längsschiff der Ruine platziert. „Mit dem Dialog dieser beiden Werke beginnt ein weiteres Kapitel einer seit Jahrzehnten gewachsenen Verbindung von Natur, Architektur und Kunst im Schlosspark“, betonte Rektor Schöllmerich.