Alleinerziehende Mütter proben auf der Bühne für den Beruf

Ein Hofstaat von Gottheiten versammelt
Ein Hofstaat von Gottheiten versammelt
Foto: Haenisch / Funke Foto Services
Mütter traineren im Theaterprojekt „Lebensart“ von Defakto und Jobcenter Bochum Kreativität und Präsens. Premiere am 25. März im Bahnhof Langendreer.

Bochum.  Jessica Feldmann hatte eine Arbeitsstelle bei der Modefirma Steilmann. Nach einer Ausbildung zur Modenäherin arbeitete sie dort als technische Angestellte. Doch als das Wattenscheider Unternehmen um 2003 in eine wirtschaftliche Krise geriet und in der Folge massenweise Mitarbeiter entließ, verlor auch die junge Mutter ihren Job. „Die Arbeit hat mir viel Spaß gemacht und die Entlassung war ein Schock“, erinnert sie sich. Die alleinerziehende Mutter von vier Kindern fasste wegen ihrer familiären Verantwortung auf dem Arbeitsmarkt nicht wieder Fuß. „Alle Menschen, die einen Beruf haben, kamen mir immer viel größer vor. Mir fehlte lange der Mut“, erläutert die 41-Jährige.

Mit Hilfe des Theaterprojekts Lebensart, gefördert durch das Jobcenter Bochum, sollen alleinerziehende Frauen wie Jessica Feldmann aufgebaut werden, um einen Neuanfang im Arbeitsleben zu schaffen. Seit Anfang September arbeitet Theaterpädagogin Britta Mannes von der Bochumer Defakto GmbH mit 15 Frauen an einem Stück, das sie gemeinsam entwickelt haben. Entstanden ist ein Märchen: Göttertochter Amaris entdeckt einen vergessenen Spiegel, durch den sie in eine andere Welt blicken kann. Alle Frauen spielen Götter mit bestimmtem Profil. Mit dabei sind: Gerechtigkeit, Liebe, Stolz, Glück, Fröhlichkeit, Herrschsucht und Habgier.

Doris Wimmer betritt als Hofnarr oder Gott der Fröhlichkeit die Bühne. Die 43-jährige gelernte Floristin zeigt bei den Proben Spielfreude und Schauspieltalent. Für Projektleiterin Myriam Steinbrecher war dieser Eindruck nicht absehbar. „Ich erinnere mich an eine ganz schüchterne Gruppe und ihr seid alle so über euch hinausgewachsen“, sagt sie im Gesprächskreis im Anschluss an die Proben. Der Hofnarr selbst alias Wimmer fühlt sich durch die Theaterarbeit „auf jeden Fall selbstbewusster“.

Jobcoach begleitet Proben

Das Ziel, eine Arbeitsstelle zu finden, verfolgen die Frauen ganz konkret. Die Proben an zwei Tagen in der Woche ergänzt die Defakto GmbH durch zwei Tage Training mit Jobcoach Jutta Jordan und einem interdisziplinären Tag. Inbegriffen sind außerdem eine Tageshospitation sowie ein Kurzeitpraktikum und ein sechswöchiges Praktikum. „Die Frauen erhalten hier auch die Möglichkeit, Netzwerke zu bilden. Wir setzen auf die individuelle Entwicklung jeder Frau“, schildert Stefanie Malcherek, Beauftragte des Jobcenters für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Manche der Frauen haben bereits einen Praktikumsplatz mit Aussicht auf Teilzeitanstellung bei einem Textil-Discounter. Andere befinden sich in einer Phase der Orientierung, an deren Ende sogar eine weitere Ausbildung stehen könnte.

 
 

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