Ärger um Zuwanderer im Schrotthaus - in Riemke brodelt es

Jürgen Stahl
„Unerträgliche Zustände“ beklagen Anwohner in und an diesem Eckhaus an der Brünsel-/Zillertalstraße.
„Unerträgliche Zustände“ beklagen Anwohner in und an diesem Eckhaus an der Brünsel-/Zillertalstraße.
Foto: Ingo Otto / WAZ FotoPool
Ein baufälliges Eckhaus in Riemke dient seit Jahresbeginn als Quartier für rumänischstämmige Zuwanderer. Die Anwohner beklagen „unerträgliche Zustände“ und haben einen Brandbrief an Bochums Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz geschrieben. Die Stadt entgegnet: alles nicht dramatisch.

Bochum. Anwohner der Zillertalstraße in Riemke protestieren gegen rumänischstämmige Zuwanderer in ihrer Nachbarschaft. „Hier herrschen unerträgliche Zustände. Das Wohnen ist zum Albtraum geworden. Die Stadt muss endlich handeln!“, fordern 117 Bürger in einem gemeinsam unterzeichneten Brief an Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz.

Keine Namen, keine Fotos in der Zeitung: Die Angst sitzt tief bei den Riemkern, die der WAZ am Donnerstag ihr Leid klagen. Seit Jahrzehnten leben sie hier. Seit Jahresbeginn sehen sie sich „bis zu 30, am Wochenende auch deutlich mehr Rumänen“ gegenüber, die in einem baufälligen Eckhaus an der Brünsel-/Zillertalstraße wohnen. „Besser: hausen“, korrigiert eine der Nachbarinnen. Sie berichtet von Lärmbelästigungen bis tief in die Nacht; von Jugendlichen, die keine Schule besuchen und ihre Notdurft in den Nachbargärten verrichten; von verwahrlosten Kleinkindern, die sich selbst überlassen sind; von Betteleien, durchwühlten Mülltonnen und Drohungen; von zahllosen Polizeieinsätzen und einem fahrenden Lebensmittelhändler, der mehrfach beklaut worden sei und das Viertel nun großzügig umfährt. Als der WAZ-Reporter einen der Bewohner befragen will, wird er von zwei Männern mit erhobenen Fäusten beschimpft und fortgejagt.

Verwaltung will Schilderungen nicht bestätigen

„Wir alle haben auf gut Deutsch die Schnauze voll“, heißt es in dem mit 117 Unterschriften versehenen Schreiben der Anwohner, das im Frühjahr an OB Scholz geschickt wurde. Weitere Brandbriefe erhielten u,a, das Jugend- und Gesundheitsamt. Die Hoffnungen richten sich auf das neue Wohnungsaufsichtsgesetz, das Überbelegungen in Schrottimmobilien verhindern soll.

Die seien bei Überprüfungen vor Ort aber „nicht festgestellt worden“, teilt die Stadt in einer Antwort mit. Gemeldet seien in dem Haus 18 Personen: „alles EU-Bürger: 17 Rumänen, ein Deutscher“. Zwei Wohnungen im Erdgeschoss seien bewohnt. Die desolaten oberen Etagen habe die Bauordnung versiegelt. Das Gebäude gehöre einer Eigentümergemeinschaft. Ein Ankauf durch die Stadt sei aktuell nicht möglich.

Die drastischen Schilderungen der Nachbarn will die Verwaltung auch auf WAZ-Anfrage nicht bestätigen. „Unser Ordnungsdienst kontrolliert seit Monaten mehrfach wöchentlich“, betont Sprecherin Barbara Gottschlich. Es gebe „keine dramatischen Zustände, lediglich Sperrmüll“. Betteleien und Drohungen seien nicht festgestellt worden, „ebenso wenig wie die Nutzung der Vorgärten als Toilette“.

Die Nachbarn bekräftigen derweil ihre Forderungen: „Das Haus muss geräumt und saniert, am besten abgerissen werden!“