Ärger nach Rodung im Landschaftsschutzgebiet in Bochum

Verwüstet sieht es zwischen Hülsbergstraße und „Am Varenholt“ aus – ein Landschaftsschutzgebiet.
Verwüstet sieht es zwischen Hülsbergstraße und „Am Varenholt“ aus – ein Landschaftsschutzgebiet.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Das Umweltamt hat eine umstrittene Rodung in einem kleinen Waldstreifen in Stiepel gestoppt. Ein besorgter Anwohner beklagt Schäden für die Tierwelt.

Bochum.. In einem kleinen schmalen Waldstreifen in Stiepel, nur einen Steinwurf vom Kloster Stiepel entfernt, wurden vor gut einer Woche kräftig die Motorsägen angeworfen. Waldarbeiter hatten dort – offenbar im Auftrag des Eigentümers – auf mehreren hundert Quadratmetern Fläche Bäume und weitere Gehölze gefällt.

Die Aktion rief das Umweltamt der Stadt auf den Plan, denn das gerodete Privatgelände liegt in einem Landschaftsschutzgebiet, das sich zwischen Hülsbergstraße und „Am Varenholt“ rund einen Kilometer weit Richtung Ruhr entlangschlängelt.

Keine besondere Genehmigung

Ein Bürger hatte die Stadt über die Vorgänge dort informiert – und die stoppte die Arbeiten daraufhin, weil sie ihr schlechterdings zu umfangreich erschienen. Eine besondere Genehmigung gibt es ebenfalls nicht. Der Eigentümer, zu dessen Identität die Stadt keine Angaben macht, muss nun binnen weniger Wochen im Wege einer „Anhörung“ darlegen, „was er warum so und nicht anders angegangen ist“, wie Stadtsprecherin Barbara Gottschlich auf WAZ-Anfrage mitteilte.

Grundsätzlich droht Bußgeld bis zu 50.000 Euro

Bisher ist der Zweck der Rodungen unbekannt. Etwas neu gebaut werden soll dort offenbar nicht, das wäre in einem Landschaftsschutzgebiet wie diesem auch quasi unmöglich. Aber auch wenn es eine reine Durchforstung gewesen sein sollte, müsste auch sie sich in solchen Schutzgebieten an relativ enge Grenzen halten. Grundsätzlich droht bei Missbrauch in solchen Fällen ein Bußgeld von bis zu 50 000 Euro.

Ein besorgter Anwohner, der dort aufgewachsen ist, beklagt, dass der Waldstreifen als Durchzugsgebiet für Rehwild diene, das während des Sommers im angrenzenden Feld seine Jungen großziehe. Ebenfalls würden dort Käuze und ein Bussard sowie eine Kolonie Fledermäuse leben. Hinzu käme weiteres Getier, das in dem seit mehr als 40 Jahren unberührten Streifen einen Lebensraum gefunden habe.

Am Mitwoch waren an der Rodungsstelle – trotz der Intervention der Stadt vor einigen Tagen – erneut drei Arbeiter fleißig zugange. Auch ein Bagger kam zwischen dem abgesägten Gehölz zum Einsatz, wenn auch eventuell nur zum Aufräumen. Die Männer wollten der WAZ keinerlei Auskünfte über ihre Aktion geben. Auch nicht zu ihrem Auftraggeber.

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