599 Kita-Plätze fehlen in Bochum

Andreas Rorowski
Die Kita an der Händelstraße in Harpen wurde im September offiziell eingeweiht. Zahlreiche weitere Einrichtungen oder Erweiterungen sind nötig, um den angepeilten Versorgungsgrund von 40 Prozent für die U3-Betreuung zu erreichen.
Die Kita an der Händelstraße in Harpen wurde im September offiziell eingeweiht. Zahlreiche weitere Einrichtungen oder Erweiterungen sind nötig, um den angepeilten Versorgungsgrund von 40 Prozent für die U3-Betreuung zu erreichen.
Foto: Dietmar Wäsche
  • Bochum wächst wieder, seit Ende 2012 ist die Kinderzahl um 1650 gestiegen
  • Das bedeutet aber auch, dass zusätzliche Kita-Plätze geschaffen werden müssen
  • In einigen Teil der Stadt, wie etwa in Gerthe, Wattenscheid oder Werne, ist der Bedarf besonders groß

Bochum.  Wenn alles nach Plan läuft, ist die neue Kindertagesstätte (Kita) „Am Sattelgut“ in Dahlhausen pünktlich zum neuen Kindergartenjahr 2017/18 fertig. 16 zusätzliche U3-Plätze wird es in der knapp drei Millionen Euro teuren Einrichtung geben, die den 1975 errichten, maroden Altbau ersetzen soll.

Was vor Ort für ein besseres und größeres Betreuungsangebot sorgt, ist stadtweit betrachtet indes nicht mehr als ein Tropfen auf dem heißen Stein. Die jüngste Kita-Bedarfsanalyse kommt nämlich zu dem Ergebnis, dass es, gemessen am vom Rat beschlossenen Versorgungsgrad von 40 Prozent für den U3-Bereich, bis August 2017 einen rechnerischen Ausbaubedarf von 284 U3- und 315 Ü3-Plätzen gibt. Erstmals seit langer Zeit müssen auch im Ü3-Bereich wieder in „beachtlichem Umfang“ Plätze geschaffen werden, wie es in einer Verwaltungsmitteilung heißt. Vor allem in den Stadtteilen Gleisdreieck (Mitte), Wattenscheid-Mitte, Gerthe (Nord) und Werne (Ost) ist der Bedarf groß.

Der Grund für die große Unterdeckung ist der Anstieg der Kinderzahlen. 9000 Kinder unter drei Jahren leben mittlerweile in Bochum – fast 1200 mehr als noch Ende 2012. Bei den Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren gab es einen Anstieg um mehr als 450 auf 8500 Kinder (Grafik). Das ist auch, aber nicht ausschließlich, zurückzuführen auf die vor allem im Vorjahr vermehrt zugezogenen Flüchtlinge. Je 245 U3- und Ü3-Kinder aus Flüchtlingsfamilien leben in der Stadt, die nach Auskunft von Sozialdezernentin Britta Anger zum Teil schon versorgt sind.

Zu schaffen sein wird es nicht, alle 599 fehlenden Kita-Plätze rechtzeitig einzurichten. Abgesehen davon, dass die Finanzmittel zur Verfügung stehen müssen, gehen durch die Suche nach geeigneten Grundstücken, die Bebauungsplanung und den tatsächlichen Bau zwei bis drei Jahre ins Land.

Bedarfsplanung folgt im März

Sorgen bereitet der Verwaltung vor allem die Standortfrage. Grundstücke und Gebäude sind vor allem in dicht besiedelten Ortsteilen, wo die Nachfrage nach Plätzen groß ist, schwer zu finden. Indes ist aber auch unklar, ob der tatsächliche Bedarf von Eltern auch dem rechnerischen Bedarf entspricht. Im März will die Verwaltung ihre konkrete Bedarfsplanung vorstellen, die auch bereits laufende Neu- oder Umbaumaßnahmen enthält.

Maßstab und Ziel sei es, den Versorgungsgrad von 40 Prozent zu erreichen, so die Sozialdezernentin, die von einem „sportlichen Ziel“ spricht. Derweil ist sie froh, dass ihr Amt vor dem Hintergrund der Rechtsanspruchs auf einen Kita-Platz noch jeden Eltern-Wunsch erfüllen konnte und sich die Stadt anders als andere Kommunen noch keiner Kita-Platz-Klage gegenüber sieht. „Wir haben vieles über die Tagespflege regeln können und werden das auch weiter tun.“