4000 Menschen demonstrieren gegen Nirosta-Schließung in Bochum

Stahlarbeiter kämpfen um Jobs

Mehrere tausend Nirosta-Mitarbeiter demonstrierten in Bochum gegen die drohende Schließung ihrer Werke in Bochum.
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Mehrere tausend Nirosta-Mitarbeiter demonstrierten in Bochum gegen die drohende Schließung ihrer Werke in Bochum.

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Ein Demonstrationszug von mehreren tausend Nirosta-Mitarbeitern zog am Freitagvormittag durch Bochum. Betriebsrat und IG Metall fordern den Erhalt der Arbeitsplätze in Bochum und Krefeld. Bürgermeisterin Ottilie Scholz verspricht den Demonstranten Unterstützung durch die Stadt. Unsere Chronik.

Bochum.. 13.27 Uhr: Die Kundgebung ist vorbei, die Demonstranten verstreuen sich. Dreieinhalb Stunden waren gut 4000 Menschen auf den Beinen, um für den Erhalt Arbeitsplätze von 1000 ThyssenKrupp-Nirosta-Mitarbeitern zu kämpfen.

13.25 Uhr: Zum Abschluss gibt's noch mal Grönemeyer mit "Bochum".

13.23 Uhr: Das war's. "Ob noch Brezel da sind, müsst ihr gucken", sagt Ulrike Kleinebrahm von der IG Metall.

13.21 Uhr: Die Kundgebung neigt sich dem Ende zu. Das Applaus und Fußgetrappel lassen den Husemannplatz förmlich beben.

13.18 Uhr: Ralf Heppenstiel, ThyssenKrupp-Betriebsratsvorsitzender Europa, fordert auch die Geschäftsleute der anliegenden Läden zum Mitmachen auf: "Schließt eure Läden und demonstriert mit!"

13.10 Uhr: Kalwa an den ThyssenKrupp-Vorstand: "Bitte engagieren Sie sich weiter für Nirosta - dann engagieren wir uns die nächsten 100 Jahre."

13.03 Uhr: Jetzt bekommt auch die Politik ihr Fett weg. Sie solle die Rahmenbedingungen für gute Arbeit sichern, so Kalwa.

12.58 Uhr: Die Wut auf das Management wächst. "Ihr habt keinen Verstand, also habt wenigstens Anstand und verhindert betriebtsbedingte Kündigungen", brüllt Bernd Kalwa vom Gesamtbetriebsrat.

12.51 Uhr: Klein erinnert an Alfred Krupp und August Thyssen. "Das waren noch gute Manager."

12.49 Uhr: Voller Einsatz des Betriebsratsvorsitzendem Frank Klein: Seine Stimme überschlägt sich, als er seine Forderungen förmlich ins Mikrofon brüllt. "Hat hier jemand schlecht gearbeitet!? - Nein!"

12.45 Uhr: Eichler attackiert den Thyssen-Vorstand: "Herr Hiesinger, jetzt sind Sie am Zug. Zeigen Sie, dass wir uns auf Sie verlassen können. Ohne uns wird es keine erfolgreiche Zukunft des Edelstahl-Geschäfts geben."

12.35 Uhr: "Für das Desaster bei ThyssenKrupp sind die Vorstände verantwortlich", sagt Bertin Eichler, Hauptkassierer der IG Metall. Die Gewerkschaft sei nicht gehört worden, als Geld in Brasilien versenkt wurde. "Das bedeutet eine knallharte Auseinandersetzung. Mit uns wird es keine einzige betriebsbedingte Kündigung geben", so Eichler. Lautes Pfeiffen und Beifall.

12.30 Uhr: "Wir können und wollen auf Stahl in Bochum nicht verzichten", fordert Scholz unter Beifall. "Wir werden für den Erhalt der Standorte und der Arbeitsplätze kämpfen!"

12.25 Uhr: Oberbürgermeisterin Ottilie Scholz begrüßt die Demonstranten. "Ihre Ängste sind nur allzu verständlich. Wenn die Betriebsvereinbarungen nicht eingehalten werden, steht die Stadt Bochum solidarisch an Ihrer Seite!" Applaus.

12.24 Uhr: "7 Milliarden sind verzockt. Wir sollen das ganze ausbaden - und das ist nicht mit uns zu machen!", ruft Ulrike Kleinebrahm von der IG Metall.

12.18 Uhr: Die Gewerkschaftsvertreter begrüßen die nach eigenen Schätzungen über 4000 Demonstranten auf dem Husemannplatz. "Wir haben nicht nur eindrucksvoll demonstriert, sondern senden auch ein deutliches Zeichen Richtung Krefeld und Duisburg, dass mit uns keine Standortschließung zu machen sind."

12.15 Uhr: Musik auf dem Husemannplatz. Grönemeyer. "Mein Bochum". "Tief im Westen, wo die Sonne verstaubt, ist es besser, viel besser, als man glaubt..."

12.11 Uhr: Das Ziel Husemannplatz ist fast erreicht. Viele Passanten bleiben stehen, schauen und gucken interessiert. Ein 67-jähriger Rentner sagt: "Ich war lange Jahre bei Opel, da spürt man schon eine Verbundenheit zu den Demonstranten."

12.08 Uhr: Der Zug erreicht das Rathaus. Das Pfeiffen wird immer lauter. Gerade stößt Opel-Betriebsratsvorsitzender Rainer Einenkel zu den Demonstranten. "Es ist für uns selbstverständlich, Solidarität zu zeigen. Schließlich haben wir Opelaner auch immer die Unterstützung der anderen bekommen."

12.03 Uhr: Die Drehscheibe kommt in Sicht. Nur noch wenige Meter bis zum Husemannplatz...

11. 58 Uhr: In dieser Minute passiert der Zug die Werkshalle des Bochumer Vereins. Genau an dieser Stelle hat vor 170 Jahren die Geschichte der Bochumer Stahlschmelze begonnen, als Jakob Mayer das erste Stahlschmelzen-Werk gründete.

11.54 Uhr: Die Demonstration läuft sehr gesittet ab. Friedlich marschieren die Demonstranten über die Alleestraße, pfeiffen und halten Transparente hoch. Bestimmt 100 demonstrationserprobte Opelaner sind aus Solidarität dabei.

11.50 Uhr: Der Verkehr auf der Alleestraße ist komplett zusammengebrochen. Busse und Straßenbahnen stehen. Der Zug erstreckt sich von der Kreuzung Wattenscheider Straße bis weit zurück über die Essener Straße. Bis zum Husemannplatz sind es noch etwa 500 Meter Fußmarsch.

11.44 Uhr: Auf der Alleestraße, in Höhe der Haltestelle "Wattenscheider Straße" treffen die beiden Demonstrationszüge zusammen. Der Vormarsch gerät kurz ins Stocken, als sich der zweite Zug hinter der IG Metall-Kampfglocke einordnet. Es sind jetzt nach ersten Schätzungen sicherlich über 3000 Menschen.

11.39 Uhr: Auch auf dem Husemannplatz wird es immer voller: Der Platz ist schon mit gut 100 Menschen gefüllt, die in Gruppen zusammen stehen und sich angeregt unterhalten. Sie warten auf den Demonstrationszug der Kollegen. Dann wird es hier richtig voll.

11.33 Uhr: Für die Demonstranten geht es ums Ganze: "Wenn ich gekündigt werde, bin ich am Ende", befürchtet Arbeiter Hans-Günther Luther (51). Es gehe um seinen Job und seine Rente. Der 20-jährige Dennis Mackes, seit eineinhalb Jahren bei ThyssenKrupp Nirosta, sagt: "Ich hoffe, dass ich so meinen Arbeitsplatz sichern kann". Immerhin werde man bei der Demo von den Medien gehört.

11.28 Uhr: Der Demonstrationszug ist auf die Essener Straße eingebogen und befindet sich in diesem Moment auf der Höhe des Betriebshofes Engelsburg. Die Straße in Richtung Innenstadt ist gesperrt, der Verkehr kommt nicht mehr durch. In 500 Metern wird sich der bestimmt 600 Menschen zählende Zug mit den von der Gahlenschen Straße kommenden Demonstranten vereinigen.

11.23 Uhr: An der Spitze des Zuges fahren ein Polizeimotorrad und ein Streifenwagen. Dahinter ein Lieferwagen mit einem schwarzen Sarg - ein Symbol für die über 3000 Arbeitsplätze, die in ganz Deutschland gefährdet sind. Dann folgt ein LKW in roten IG Metall-Farben.

11.20 Uhr: Kampfansage des Demonstrationszuges, der sich gerade am Tor Süd in Bewegung gesetzt hat: "Für unsere Arbeitsplätze, für Bochum, für die Zukunft von uns und unseren Kindern: Lasst uns losmarschieren."

11.18 Uhr: Auf dem Husemannplatz trifft eine andere Gruppe Demonstranten ein - und macht sich dem eigenen Ärger lautstark pfeiffend Luft.

11.16 Uhr: Zum ersten Mal wird die große Glocke geschlagen, der Zug setzt sich langsam vom Tor Süd aus in Bewegung. Mittlerweile dürften es weit mehr als 400 Stahlarbeiter sein. Sie marschieren jetzt in Richtung Husemannplatz.

11.08 Uhr: Noch geht es nicht los. Die Streikenden wollen noch zehn Minuten auf 20 weitere Busse warten, die gleich eintreffen sollen. Am Treffpunkt Gahlensche Straße warten bereits 20 Busladungen Demonstranten darauf, dass es endlich losgeht.

11.05 Uhr: In diesem Moment trifft Herbert Kastner am Tor Süd ein. Er war 20 Jahre lang Betriebsratsvorsitzender von Thyssen-Krupp Stahl. Seit Kastner Anfang der Woche von den Schließungsplänen bei ThyssenKrupp Nirosta erfuhr, hat er keine Ruhe mehr: "Seitdem konnte ich keine Nacht mehr ruhig schlafen", sagt er. Selbstverständlich werde er heute an der Seite der Kollegen stehen.

11.00 Uhr: Vor Tor Süd wird es immer voller. Immer mehr rote Kappen der Gewerkschaft tauchen auf. Auch zahlreiche Journalisten sind da, um zu berichten.

10.55 Uhr: "Check Sound - Sound Check" - Soundcheck auf dem Husemannplatz. Hier sind Platz und Bühne noch leer. Ein paar Gewerkschafter stehen aber schon an Ständen mit Verpflegung bereit.

10.48 Uhr: Die Gewerkschaft hat über 3000 Brezel geordert, um die Verpflegung während der Demonstration sicher zu stellen. Mittlerweile ist die Zahl der Streikenden auf über 300 angeschwollen. Auf der Essener Straße sind bereits viele Polizeiautos und Motorräder zu sehen, die den Demonstrationszug begleiten werden.

10.42 Uhr: Der Rückstau der LKW vor Tor Süd wird immer länger. Dutzende Lastwagen stehen, es geht nicht vor und zurück. Vor dem Tor haben sich gut 100 Arbeiter versammelt - und ihre Zahl wird stetig größer: Viele strömen gerade erst aus dem Werk auf die Straße.

10.36 Uhr: Auch eine Abordnung von ThyssenKrupp Mill ist vor Ort und bekundet Solidarität. Die Mitarbeiter sind für die Aufarbeitung der Schlacken zuständig, die bei der Edelstahlverarbeitung entstehen. - Auch sie haben Angst um ihre Arbeitsplätze, erklärt ein Vertreter vor Ort. Im Bochumer Werk arbeiten 100 Menschen für ThyssenKrupp Mill.

10.29 Uhr: Es ist ernst: "Seit heute Nacht, ein Uhr, steht die komplette Produktion still", sagt der örtliche Betriebsratsvorsitzende Frank Klein.

10.27 Uhr: Die Unterstützung der Linkspartei haben die Streikenden jedenfalls: „Eine Schließung des Standortes würde einen Bruch der mit den Arbeitnehmern geschlossenen Verträge bedeuten“, erklärte die Bundestagsabgeordnete Sevim Dagdelen im Vorfeld.

10.20 Uhr: Erregte Diskussion mit Lastwagenfahrern am Tor. Die ersten Lastwagen stauen sich schon über 100 Meter zurück. Doch die Streikenden haben das Tor gesperrt.

10.11 Uhr: Knapp einen Kilometer weiter sammeln sich auf dem Parkplatz der Jahrhunderthalle die ersten verfrorenen Metaller. Sie warten auf den ersten Bus. Das Trommeln hat sich offenbar gelohnt: Mehr als 40 Busse sollen von allen ThyssenKrupp-Stahlwerken aus der Umgebung nach Bochum unterwegs sein.

10 Uhr: Die Mitarbeiter sammeln sich vor Tür Süd des ThyssenKrupp-Stahlwerks. Essen wird ausgegeben.

 
 

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