40. Todestag von Arthur Tix - Eine Größe der Stahlindustrie in Bochum

Ein Luftbild des LD-Stahlwerks Höntrop. Die ehemalige Industriegröße Arthur Tix forcierte den Bau. Foto: Stadt Bochum
Ein Luftbild des LD-Stahlwerks Höntrop. Die ehemalige Industriegröße Arthur Tix forcierte den Bau. Foto: Stadt Bochum
Foto: Stadt Bochum, Presseamt waz
Vor vierzig Jahren starb der Industrielle Arthur Tix, der als Bochumer Stahlgröße hohes Ansehen genoss - auch in der Nazizeit. Er war es, der den Bau des LD-Stahlwerks in Höntrop forcierte - bis heute entscheidend für die Bochumer Stahlindustrie.

Bochum.. Eine zweifellos beeindruckende Persönlichkeit muss er gewesen sein, der Hüttendirektor Dr. Arthur Tix. So beeindruckend, dass selbst das renommierte amerikanische Time-Magazin ihn 1956 in einem Artikel gewürdigt hat. Als den Entwickler des neuen Vakuumstahlgussverfahrens beim Bochumer Verein, welches die Stahlqualität erheblich verbessert und die Produktionsdauer um die Hälfte verkürzt hat. Heute vor genau 40 Jahren starb Arthur Tix im Alter von 73 Jahren.

Dass in Bochum bis heute keine Straße, kein Platz und kein Schild an diesen Eisenhüttenmann erinnert, hat seine Gründe. Tix war ein Tausendsassa, der sich zu arrangieren wusste und seinen Weg ging in der Schwerindustrie der 20er, 30er Jahre und vor allem in der Nazi-Zeit. Der Wehrwirtschaftsführer und Ritterkreuzträger brachte es 1940 bis zum Leiter der Hauptgruppe für Vormaterial im Ministerium Todt.

Leiter des Hauptausschusses Waffen

Später, als Speer die Industrie des Deutschen Reiches ausquetschte, um das Ende hinauszuzögern, stieg er noch höher auf in der Hierarchie des Hitler-Staates: 1942 wurde er Leiter des Hauptausschusses Waffen beim Reichsminister für Rüstung und Kriegsproduktion. Zudem spielte er eine wichtige Rolle als Mitglied des Industrierats beim Oberkommando des Heeres.

Nachdem Tix bereits seit den 20er Jahren in unterschiedlichen verantwortlichen Positionen, zuletzt als Generaldirektor, beim Bochumer Verein gewirkt hatte, kehrte er 1950 zurück. Der Hüttendirektor wurde technischer Vorstand und nahm wichtige Weichenstellungen vor, die bis heute wegweisend sind für den Stahlstandort Bochum.

LD-Stahlwerk errichtet

Der technische Vorstand Arthur Tix war es, der den Ausbau des Werksteiles Höntrop forcierte, dort ein LD-Stahlwerk errichten ließ und gegen zahlreiche Widerstände den technisch herausfordernden Kraftakt meisterte, eine elektronisch gesteuerte Warmbreitbandstraße zu bauen. „Ohne diese Anlage gäbe es in Bochum längst keine Stahlindustrie mehr“, hatte der mittlerweile ausgeschiedene langjährige Betriebsratsvorsitzende Herbert Kastner mehrfach erzählt.

So erinnern sich die beiden ehemaligen Direktoren des Bochumer Vereins, Hans Hermann Oehler (82) und Wolfgang Bettzieche (84) lebhaft an Tix. Oehler betont: „Er war eine große Persönlichkeit mit hohem technischen Sachverstand.“ Als Vorgesetzter sei er streng aber gerecht gewesen und habe Unaufrichtigkeit und hinterlistiges Verhalten verabscheut.

Angeklagt bei den Nürnberger Prozessen

Bettzieche, der als junger Elektroingenieur von Tix den Auftrag erhielt, die elektronische Steuerung der Höntroper Breitbandstraße zu entwickeln, bedauert, dass heute „sein Name in Bochum fast völlig vergessen ist“. Über seine Rolle im 3. Reich habe Tix nichts verheimlich, auch nicht, dass er im Nürnberger Prozess der Alliierten gegen die industrielle Elite zu den Angeklagten zählte.

Bis 1965 gehörte Arthur Tix dem Vorstand des Bochumer Vereins an, wechselte danach in den Aufsichtsrat der Fried. Krupp Hüttenwerke, die den Bochumer Verein übernommen hatten. Tix war unter anderem Träger des Großen Verdienstkreuzes des Verdienstordens der Bundesrepublik und Inhaber der Robert-W.-Hunt-Medaille (eine hohe Auszeichnung der US-Stahlindustrie, die er als erster Deutscher erhielt).

 
 

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