2300 Hyazinthen hängen in Bochumer Kunstkirche Christ-König

Ein echter Hingucker: 2300 Hyazinthen hat die Essener Künstlerin Anne Berlit in der Kunstkirche Christ-König unter die 14 Meter hohe Decke gehängt. An langen Fäden hängen sie herab. Gegossen werden sie übrigens auch.
Ein echter Hingucker: 2300 Hyazinthen hat die Essener Künstlerin Anne Berlit in der Kunstkirche Christ-König unter die 14 Meter hohe Decke gehängt. An langen Fäden hängen sie herab. Gegossen werden sie übrigens auch.
Foto: Ingo Otto / Funke Foto Services
Bemerkenswerte Ausstellung bei Christ-König: Unter dem Titel „Nostalgia“ hat Künstlerin Anne Berlit 2300 Hyazinthen unter die Decke gehängt.

Bochum. Kaum ist die Kirchentür geöffnet, da gerät unser Fotograf Ingo Otto komplett in Staunen. „Irre, absolut irre“, meint er. „So etwas habe ich noch nie gesehen.“

In der Tat: Die neue Ausstellung in der Kunstkirche Christ-König ist eine Pracht. Unter dem Titel „Nostalgia“ hat die Essener Bildhauerin Anne Berlit einen echten Hingucker ins Kirchenschiff gezaubert. 2300 blau blühende Hyazinthen hängen kopfüber an zehn Meter langen Fäden von der Decke hinunter, die Wurzeln zeigen nach oben.

Sehnsucht ist etwas Lebendiges

Vom Eingang bis zum Altar erstreckt sich ein zart blauer Blütenhimmel, unter dem der Betrachter auf einer drei Meter breiten Bahn entlang schreiten kann. „Man kann die Hände zum Himmel strecken, aber man wird ihn nicht erreichen“, sagt Propst Michael Ludwig. „Dafür hängen die Pflanzen zu hoch.“

Der Titel „Nostalgia“ ist der französische Ausdruck für „Sehnsucht“ – unter diesem Motto steht das Ausstellungsjahr in der Kunstkirche am Steinring. „Für mich ist Sehnsucht etwas Lebendiges, das sich langsam entwickelt, dann verweilt und schließlich vergeht“, sagt Anne Berlit. Diesen Prozess habe sie aufzeigen wollen.

Bis die ganze Pracht verwelkt

„Blau ist die Farbe der Ferne und Weite“, meint sie. „Zu Beginn waren die Pflanzen noch Knospen, die aufgesprungen sind und jetzt zu blühen begonnen haben.“ Gegen Ende der Ausstellung sei die ganze Pracht dann verwelkt. „Ich bin gespannt, wie sich die Pflanzen in den kommenden Wochen halten“, meint Referent Norbert Düwel, der die Ausstellung gemeinsam mit Anne Berlit installierte. „Wahrscheinlich werden die Pflanzen ihre Köpfe zum Licht hin drehen.“

Eine wichtige Rolle spielt der Geruch. Bei den kühlen Temperaturen der vergangenen Tage riecht man von den 2300 Pflanzen noch nicht viel, doch das dürfte sich ändern. „Der Geruch wird stärker“, sagt Anne Berlit, „bis das Verwelken einsetzt.“

Blüten purzeln herab auf weißen Boden

Unter dem Himmel erstreckt sich vom Eingang bis zum Altar ein breiter Bodenbelag, der bis zur Finissage extra nicht gesäubert wird. Alle Blüten, die die Pflanze verlieren, purzeln herab und bleiben liegen. Noch ist der Boden weiß. „Doch gemeinsam mit den Fußabdrücken der Ausstellungsbesucher wird daraus dann ein ganz eigenes Bild entstehen.“

So imposant diese Installation auch ausschaut: Den Aufwand, der dahinter steckt, hat die Künstlerin offenbar unterschätzt. „Das war der Wahnsinn“ sagt sie. „Wir haben fast dreimal so lang gebraucht wie gedacht.“

Die nächste Ausstellung folgt im Sommer. Künstlerin Julia Sonsinka beschäftigt sich dann mit der Magie von Plastiktüten.

Zu sehen bis 12. April, Sa. von 14 bis 17 Uhr, So. von 12 bis 15 Uhr am Steinring 34.

 
 

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