20.000 Besucher feiern bei „Ruhr International“ im Bochumer Westpark

Groß und klein vergnügten sich am Wochenende beim Kulturfestival „Ruhr International“ im Bochumer Westpark.
Groß und klein vergnügten sich am Wochenende beim Kulturfestival „Ruhr International“ im Bochumer Westpark.
Foto: WAZ FotoPool / Ingo Otto
Kultur und Politik, Folklore und Falafel, fröhliches Feiern und ernsthafte Flüchtlingsarbeit vereinen sich an der Bochumer Jahrhunderthalle zu einem großartigen Wochenende mit 20.000 Besuchern: "Ruhr International" - ein Fest, das verbindet. Besucher loben: Das ist mehr als nur Wohlfühlfolklore.

Bochum.. Menschen aller Altersklassen schieben sich zwischen den drei Bühnen über das Gelände der Jahrhunderthalle. Kinder lachen. Erwachsene tanzen. Zwischen Infoständen und Imbissbuden steht eine kleine Gruppe von zehn Musikern.

Es riecht nach Currywurst, Minztee und Falafel. Während die einen mit Trommeln für den Rhythmus sorgen, legen andere mit den Saiten ihres Kontrabasses nach. Zudem finden sich immer neue Menschen, die sich spontan an der Jam-Session beteiligen wollen. Tänzer springen dazu und ergänzen den Sound um Bewegungen.

Ein paar Meter weiter legen politische und kulturelle Vereine ihr Infomaterial aus. Gruppen und Initiativen aus der Region wie etwa Der Notstand e.V., die Bochumer Hochschulgruppe von Amnesty International oder die Flüchtlingshilfe Bochum sprechen mit Besuchern über ihre politische Arbeit. Die Themen des seit 2012 rund um die Jahrhunderthalle stattfindenden Festivals sind global, die angesprochenen Missstände konkret.

Mehr als „Wohlfühlfolklore“

Das Programm vernetzt Aktivisten mit Betroffenen und Besuchern und bietet zugleich Raum für Auseinandersetzung und Begegnung. Besucher Philipp kommt extra aus Herne. Er lobt das Konzept des Festivals: „Schön zu sehen, dass es hier nicht nur um Wohlfühlfolklore geht. Mir gefällt, dass neben der musikalischen und kulinarischen Vielfalt auch die so wichtige politische Arbeit ihren Platz bekommen hat.“

Ruhr International beweist: Mit dem richtigen Konzept lassen sich interessierte Bürger, kulturelle Akteure und politische Aktivisten zusammenbringen und ihre unterschiedlichen Perspektiven für gemeinsame Ziele verbinden.

Auch Musiker Heinz Ratz von Strom & Wasser feat. the Refugees verbindet seine Musik mit politischer Arbeit. Seine Konzerte gestaltet er mit Flüchtlingen, die in ihren Herkunftsländern namhafte Musiker sind. Zum Festival sagt Ratz: „Aus unserer Erfahrung wissen wir: Diejenigen, die zu solchen Veranstaltungen kommen und vor unserer Bühne stehen bleiben, um zuzuhören, sind jene, die gerade nicht so aussehen wie die Gesellschaft es vorsieht. Menschen, die aus ihr rausfallen. Die Leute hingegen, die weitergehen, sind die vermeintlich Coolen.“

Auf der Bühne setzt gerade eine aus Iran geflohene Pianistin zu einem sehnsuchtsvollen Stück an. Heute hat sie zum ersten Mal ihr Flüchtlingsheim verlassen. Während sie zu singen beginnt, lauschen ihr hunderte Menschen. Spontan fasst sich ein Paar bei den Händen, um sich langsam im Standardtanz zu ihrem Spiel zu wiegen. Momente wie diese unterscheiden das Festival nicht nur vom üblichen Sommerprogramm des Reviers.

Sie machen es so wichtig.

 
 

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