Bochum

Anti-HIV-Pille bald deutlich günstiger: Führt das Medikament zu leichtfertigem Umgang bei Verhütung?

Das Patent von „Truvada“ ist abgelaufen. Das Medikament PrEP ist jetzt bezahlbar.
Foto: imago/ZUMA press
  • Bisher war die HIV-Vorsorge-Pille PrEP nahezu unbezahlbar
  • Zwei Bochumer Mediziner haben das nun geändert
  • Bald soll es das Medikament für 52 statt ursprünglich 800 Euro deutschlandweit in der Apotheke geben
  • Doch führt die Pille zu einem leichtfertigen Umgang mit Verhütung?

Bochum. Es ist ein Meilenstein in der Aids-Vorsorge: Bald kann in Deutschland flächendeckend und kostengünstig die Anti-Aids-Pille „PrEP“ angeboten werden. Dank des Bochumer Arztes Dr. Norbert Brockmeyer und der Apothekerin Dr. Inka Krude kostet die Monatsration der Pille statt 800 Euro nun nur noch 52 Euro.

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Das Medikament senkt bei der Einnahme vor dem sexuellen Kontakt mit Menschen aus HIV-Risikogruppen das Ansteckungsrisiko um 90 Prozent. Doch liegt da möglicherweise auch ein Problem der Tablette? Führt sie möglicherweise dazu, dass Menschen leichtfertiger mit dem Thema Sex und Verhütung umgehen?

„Ganz im Gegenteil würde ich behaupten“, sagt Apothekerin Dr. Inka Krude. „Die Patienten, die sie bisher nehmen, sind die extrem aufgeklärten Patienten, die ganz genau wissen, warum sie sie nehmen. Und die viel dafür getan haben, dass sie die Tablette überhaupt bekommen. Ich glaube, das ändert sich auch nicht“, sagt sie.

„Im Vergleich ist es wie bei der Antibabypille“

Man habe natürlich bisher keine großen Erfahrungswerte. „Aber es ist ja schon ein Aufwand, über den man sich durchaus im Klaren sein muss. Man muss beispielsweise erst zum Arzt gehen und sich ausführlich aufklären lassen. Im Vergleich ist es wie bei der Antibabypille. Diejenigen, die sie nehmen, sind nicht das Problem, sondern die, die sie nicht nehmen.“

Weitere Erkenntnisse wird es wohl erst geben, wenn einige Zeit ins Land gegangen ist. In Studien wurde allerdings die HIV-Ansteckungsrate bei PrEP-Nutzern mit der dazugehörigen Beratung um über 90 Prozent gesenkt. Forscher in den USA berechneten eine Gesamtverringerung der HIV-Neuinfektionsrate von 40 Prozent.

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