1000 kunterbunte Narren feiern Mummenschanz

Augen zu – und abheben: Allerlei Fabelwesen tanzten, flanierten und schwebten beim Mummenschanz durch das ausverkaufte Kunstmuseum.
Augen zu – und abheben: Allerlei Fabelwesen tanzten, flanierten und schwebten beim Mummenschanz durch das ausverkaufte Kunstmuseum.
Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Serv
1000 fabelhaft kostümierte Besucher feierten am Samstagabend den Mummenschanz. Die Karnevalsparty der ganz eigenen Art war einmal mehr ausverkauft.

Bochum.. Was bedeutet ein närrischer Ritterschlag für das Ruhrgebiet? Wenn eigens angereiste Jecken aus den Hochburgen Köln und Düsseldorf an den tollen Tagen im Revier Karneval feiern. Der Mummenschanz darf sich mit dieser Ehrerbietung schmücken. Dutzende bunt kostümierte Fastelovend-Fründe aus dem Rheinland zählten zu den über 1000 Besuchern, die das Kunstmuseum am Wochenende in einen Käfig voller Narren verwandelten.

Zum 14. Mal zog Veranstalter Michael Retter den Maskenball am Karnevalssamstag im Museum auf. Zum 14. Mal waren die heiligen Hallen an der Kortumstraße ausverkauft. „Diesmal war’s allerdings ein hartes Stück Arbeit. Der Vorverkauf lief außergewöhnlich schleppend“, berichtet Michael Retter. Die erbärmlichen Übergriffe in der Silvesternacht und die Flüchtlingsdiskussion hätten in den vergangenen Wochen alles andere als unbeschwerte Lust auf den Karneval entfacht, beobachtet der Werbeexperte.

Karneval Kurz vor knapp waren dann aber doch sämtliche 1000 Eintrittskarten vergriffen: Die Party nahm ihren gewohnt ausgelassenen Lauf.

Bei der Maskerade sind die Gäste (darunter zehn WAZ-Gewinner) die Stars. Wie Leinwandhelden auf einem Laufsteg schreiten sie die Rampe hinab in die Museumsräume: in meist großartigen Kostümen, die weit über die gängigen Verkleidungen Marke Cowboy & Indianer hinausgehen. Sehen und gesehen werden: So soll es sein. Hier ganz ohne jedes Schicki-Micki-Gehabe.

Drag Queens im Musentempel

Stolz, gleichwohl mit einem Augenzwinkern, flanieren die Fantasiegestalten durch die Menge: Piraten und Prinzessinnen, Kicker und Kobolde, Cops und Clowns, Pu der Bär und Peter Pan, Popen und Popeye, bärbeißige Bazis und ballerinenhafte Barbies, Emus und Elfen. Star Wars lässt an jeder Ecke grüßen. Auch einige herrlich aufgebretzelte Drag Queens mit mondän-falscher Haarpracht stöckeln durch den Musentempel. Erlaubt ist, was gefällt. Und gefallen tut’s hier jedem.

Alles ist fröhlich. Alles friedlich. Das Publikum: erste Klasse. Pöbeleien, gar Schlägereien oder andere negative Zwischenfälle hat’s noch nie gegeben, versichert Retter. Entspannt ist inzwischen auch der Einlass. Zwei Eingänge und eine zusätzliche Garderobe sorgen dafür, dass die Gäste nicht mehr – wie früher – ewig Schlange stehen müssen.

Der Ball geht zwar als Karnevalsfete durch. Humbatätärä und Narrhallamarsch mag gleichwohl niemand hören. Stattdessen Rock und Pop. Vom Feinsten und ebenso handgemacht wie viele Outfits.

„Pay Attention“ als Abräumer

Vier Bands und mehrere DJs füllen bis tief in die Nacht die verschiedenen Tanzflächen. Schweißtreibend geht’s vom Start weg im großen Saal zu, wo es die Jim Rockfort Band mit Sänger Jesse Lee Davis mal wieder krachen lässt. „Crazy Rhythm“ bereichern den Party-Dino mit Gypsy Swing um eine neue Musikfarbe. Die Abräumer des Abends indes haben sich direkt am Museumseingang postiert. Die Coverband „Pay Attention“ heizt nach ihrer fulminanten Premiere 2015 mit Hits und Oldies erneut ordentlich ein. Stadtsprecher Thomas Sprenger mit güldenem Krönchen auf der Pläte und Rio Reisers „König von Deutschland“ auf den Lippen: Da rockt der Mummenschanz. Da toben die Ruhris. Und die Rheinländer auch.

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