Veranstalter gehen mit Kunst gegen Nazi-Gräueltaten an

Dichterin Barbara Reer-Gröning und Gerd Jörgens bei der Lesung des Malkreises Safran "Gegen das Vergessen".
Dichterin Barbara Reer-Gröning und Gerd Jörgens bei der Lesung des Malkreises Safran "Gegen das Vergessen".
Foto: Steffie Friske

Balve..  Eine Liste mit Namen hängt am Eingang. Listen, wie sie in jeder Bürokratie zu Hunderten erstellt werden. Die Liste, welche die Mitglieder des Malkreises Safran im Gesundheits-Campus Sauerland zum Gedenken aushängen, hatte aber eine besondere Barbarei zur Folge: Hier hatte der Bibliothekar Wolfgang Herrmann eine Liste der Künstler zusammengestellt, deren Werke in Berlin, aber auch in vielen anderen Städten Deutschlands 1933 in Flammen aufgingen.

Aktuelle Kunst setzten die Gäste und Veranstalter der Lesung „Gegen das Vergessen“ den Nazi-Gräueltaten entgegen. Zwar hatten die Autoren, wie man betonen muss, nichts mit den Verbrechen von damals zu schaffen. Aber, dass in der deutschen Demokratie die Dichtkunst wieder blühen kann, davon zeugen die Werke der Balver Dichterin Barbara Reer-Gröning und die Verse des inzwischen verstorbenen ehemaligen Bürgermeisters Joseph B. Lenze.

Freund des Plattdeutschen

In die Biografie des Bürgermeisters, Dichters und Freund des Plattdeutschen, Joseph Lenze, führte der Grafiker Werner Ahrens die Runde kurz ein. Viele im Raum erinnerten sich noch an Lenze, wie er stets mit Hut und meist eine Zigarre paffend sein Auto durch Balve lenkte. „Abends traf man ihn in der einen oder anderen Gaststätte, einen Kaffee oder Cognac vor sich, und meistens mit dem Schreiben beschäftigt“, erinnerte sich Ahrens. „Seine Gedichte sollte man mit Muße lesen.“ Auch Gerd Jörgens, der den Gedichten an diesem Abend seine Stimme lieh, betonte, es habe sich nicht etwa um einen dichtenden Bürgermeister gehandelt, „sondern um einen Dichter mit einem eigenständigen, nicht zu unterschätzenden Werk.“

Bevor aber Lenze in seinen Gedichten zu Wort kam, rückte Gerd Jörgens eine Balver Zeitgenossin in den Mittelpunkt. Barbara Reer-Gröning, die an den Kunsthochschulen von Düsseldorf und Münster studiert und später als Kunsterzieherin gearbeitet hat, hat sich über einige Werke des Malkreises Safran ihre Gedanken gemacht und diese in Versform gebracht. Herausgekommen sind Gedichte, die nachdenklich den Gesichtern auf der Leinwand nachspüren, aber auch fröhliche Limericks oder überraschende Schlussfolgerungen.

So findet ein Betrachter, der sinnend in einen blühenden Löwenzahn versunken ist, auf den Bahngleisen ein plötzliches Ende. Die Gedichte, obwohl auf Grundlage der Safran-Bilder gemalt, können sich durchaus eigenständig neben den bunten Leinwänden behaupten.

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