Stockmeier-Holding kauft die insolvente Kruse-Gruppe

Nach dem finanziellen Desaster der Kruse-Gruppe ist das Schicksal der beiden Gesellschafter ungeklärt. Die Stockmeier-Holding entscheidet über die Weiterbeschäftigung von Kruse und Früh (l.) erst nach Abschluss des Kaufvertrages.
Nach dem finanziellen Desaster der Kruse-Gruppe ist das Schicksal der beiden Gesellschafter ungeklärt. Die Stockmeier-Holding entscheidet über die Weiterbeschäftigung von Kruse und Früh (l.) erst nach Abschluss des Kaufvertrages.
Foto: WP

Balve... Bei der zahlungsunfähigen Kruse-Gruppe aus Balve geht es Schlag auf Schlag. Vor einer Woche noch beim Amtsgericht in Arnsberg, um das vorläufige Insolvenzverfahren einzuleiten, steht seit gestern Morgen das fest, was die WESTFALENPOST ihren Lesern bereits am Frühstückstisch mitgeteilt hatte: Die Stockmeier-Holding aus Bielefeld will die Kruse Holding GmbH & Co. KG sowie die Tochtergesellschaften kaufen. Vorausgesetzt, das Bundeskartellamt gibt seine Zustimmung zu der geplanten Millionen-Transaktion.

Ungewöhnliche Zurücknahme

Dass nach dem Gang zum Amtsgerecht so schnell ein Weißer Ritter, wie es in der Branche heißt, daher komme und ein Unternehmen kaufe, das sei durchaus normal, sagt Jörg Nolte. „Was allerdings sehr selten vorkommt, ist die Zurücknahme eines Insolvenzverfahrens.“

Dafür gibt es nach Einschätzung von Rechtsanwalt Piepenburg eine plausible Erklärung. Der vorläufige Insolvenzverwalter der Kruse-Gruppe sieht mit der Stockmeier-Gruppe als neuem Eigentümer für die Unternehmensgruppe Kruse wieder eine dauerhafte Perspektive: „Dass es innerhalb so kurzer Zeit gelungen ist, eine Investorenlösung zu finden, zeigt die Substanz bei Kruse und ist einem zupackenden Unternehmertum bei Stockmeier zu verdanken“, wird Piepenburg in der Presseerklärung von Jörg Nolte zitiert.

Alle 431 Arbeitsplätze bleiben nach Auskunft von Nolte, Sprecher des vorläufigen Insolvenzverwalters Horst Piepenburg, erhalten. Wie lange dies der Fall sein wird, ist zu diesem Zeitpunkt nicht absehbar. Die Stockmeier-Holding plant allerdings nicht, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kruse-Gruppe freizustellen, sobald die Tinte unter dem Kaufvertrag trocken ist.

Dies gilt allerdings nicht für die beiden Gesellschafter Matthias Kruse und Andreas Früh. Sie werden zwar ihre Anteile zu 100 Prozent an den Chemie-Riesen veräußern, um ihre Schulden bezahlen zu können, ob sie jedoch nach dem Verkauf ihres Unternehmens als Geschäftsführer tätig sind, darüber will die Stockmeier-Holding nach der Transaktion entscheiden.

Die Mitarbeiter nahmen gestern die Botschaft aus Bielefeld positiv auf, aber auch mit Skepsis. Denn sie befürchten, dass der neue Besitzer beispielsweise das altertümliche Lager in Sanssouci auf lange Sicht ebenso wenig benötigt wie alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die in der Verwaltung beschäftigt sind. Denn erstens könnte die Stockmeier-Holding die moderne Abfüllanlage ihres Geschäftspartners Chemie Wocklum nutzen, und zweitens beschäftigt das Unternehmen aus Ostwestfalen allein 200 Mitarbeiter in der Verwaltung, die mit Synergieeffekten bestens vertraut sind.

Massekredit zur Verfügung gestellt

Damit die Lkw wieder ans Rollen kommen, stellt die Stockmeier-Holding bis zum Inkrafttreten des Kaufvertrags Kruse einen Massekredit zur Verfügung. Damit wird nach Einschätzung des zukünftigen Besitzers die Lieferfähigkeit garantiert. Überdies verspricht sich das Unternehmen aus Bielefeld mit dieser Finanzspritze eine Stabilisierung der Kruse-Gesellschaften am Markt. „Das versetzt den Insolvenzverwalter in die Lage, das Geschäft wieder richtig in Gang zu bringen und unseren Unternehmen einen richtigen Schub“, zeigen sich die Geschäftsführer Kruse und Früh hoch erfreut.

Erfreut scheint auch Peter Stockmeier, Geschäftsführender Gesellschafter der Stockmeier-Holding zu sein. Für ihn ist Kruse eine gute Ergänzung des Unternehmensportfolios. „Wir kennen Kruse sehr gut und sehen in der Angebotspalette und dem Know-how der Mitarbeiter eine sinnvolle strategische Ergänzung unserer Unternehmensgruppe. Wir freuen uns auf diese Erweiterung und die Zusammenarbeit mit hoch motivierten Mitarbeitern.“

 
 

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