„Stimmung in der Stadt Balve gefällt mir gut“

Manfred Lopatenko.
Manfred Lopatenko.
Foto: WP
  • Nach acht Jahren wird Polizeihauptkommissar Manfred Lopatenko Balve verlassen
  • Er wechselt nach Iserlohn. Sein Nachfolger wird Ralf Böhnke aus Deilinghofen
  • „Das Verhältnis zwischen Polizei und Bürgern ist absolut in Takt“, sagt Lopatenko

Balve..  Spätestens Ende des Jahres wechselt Lopatenko in die ZA (Zentrale Aufgabe) nach Iserlohn, ist dann im Verwaltungsbereich „Fahrzeugwesen“ tätig und koordiniert die Polizei-Leistungstests im Märkischen Kreis. Nach acht Jahren in der Hönnestadt geht der 57-Jährige aus Neuenrade mit einem lachenden und einem weinenden Auge, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung verrät.

Ist Balve gelobtes Land, was die Kriminalität angeht?

Manfred Lopatenko: Ich glaube schon, dass die Welt hier noch in Ordnung ist. Für einen Polizeibeamten ist Balve eine tolle Stelle. Der Kontakt zu den Menschen und Vereinen ist von Respekt geprägt, oft sogar herzlich. Die Stimmung in der Stadt gefällt mir gut. Hier kennt man sich, hier grüßt man sich. Das Verhältnis zwischen Polizei und Bürgern ist absolut in Takt.

Gibt es ein Negativ-Erlebnis, das haften bleibt?

Zumindest ein Erlebnis, das nicht so schnell vergessen wird. Kollege Griese und ich haben das Ordnungsamt der Stadt Balve bei einer Zwangseinweisung unterstützt. Dann kam es im Wohnzimmer zum Ringkampf mit einem Mann, der größer und stärker war als wir. Dank der besseren Kondition konnten wir ihn doch fixieren.

Wie ist das Verhältnis zu Ihrem Kollegen Franz-Josef Griese?

Super. Als Ur-Balver kennt er die Stadt natürlich besser als ich. Es war und ist eine absolut harmonische Zusammenarbeit. Ich bedanke mich dafür, dass er so viel Geduld mit mir hatte.

Warum sind Sie Polizist geworden?

Das hängt mit meiner Leidenschaft für den Fußball zusammen. Mit 17 Jahren habe ich in der Senioren-Landesliga gespielt, dann einen Vertrag für die 2. Bundesliga Nord bei RW Lüdenscheid unterschrieben. Ich war immer der Meinung, dass dieser Beruf gut mit dem Sport zusammenpasst.

Wie begann ihr beruflicher Werdegang?

Ich habe zunächst bis 1979 die Polizeischule in Selm-Bork besucht.

Ließen sich Beruf und Zweitliga-Fußball vereinbaren?

Das war schon ziemlich hart. Fast jeden Tag nach der Schule bin ich über die Sauerlandlinie zum Training und wieder zurück gefahren.

Wie ging es weiter?

Im April 1979 ging meine Ausbildung zu Ende. Als es um Versetzungen nach Köln, Bonn oder Düsseldorf ging, hatte ich Glück. Ich kam direkt in den Märkischen Kreis – nach Lüdenscheid zum Verkehrsdienst. Die Behörde hat viele aktive Sportler in Dienst und Sport unterstützt.

Wollten Sie nicht Profi-Fußballer werden?

Ich hätte es wagen können. Mir lagen Angebote von Hannover 96 und Tennis Borussia Berlin aus der 2. Bundesliga vor.

Warum haben Sie sich für den Polizeidienst entschieden?

Damals konnte man als Fußballer nicht so viel Geld verdienen, wie das heute möglich ist. Womöglich wäre mir die Tür als Polizist zu gefallen. Also habe ich Dienst und Sport parallel weitergeführt. Das war eine aufregende Zeit.

Inwiefern?

1982 bin ich von Lüdenscheid zu einem Top-Amateurverein gewechselt, SC Eintracht Hamm – einem aufstrebenden Club, der unbedingt von der Oberliga in die 2. Bundesliga wollte. Leider sind wir zweimal in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga gescheitert. Im selben Jahr bin ich beruflich nach Selm-Bork zurück, wo ich dann neun Jahre als Ausbilder in der Polizeischule tätig war. Parallel habe ich Fußball in der Polizei-Landesauswahl und in der Polizei-Nationalmannschaft gespielt, in der ich 1985 Kapitän war.

Haben Sie Titel gewonnen?

Ich zog mir in Österreich in einem Quali-Spiel zur Endrunde der Polizei-Europameisterschaft einen Kreuzbandriss zu. Die Nationalmannschaft gewann 1985 ohne mich, mit Stefan Kuntz und Michael Schulz, den EM-Titel in Riccione (Italien).

Ihr Gefühl?

Natürlich habe ich mich für die Jungs gefreut, aber persönlich hat es sehr weh getan. Tut es auch heute noch. Allerdings habe ich bei der Polizei noch zwei schöne Titel errungen. Als Trainer der Polizei-Landesauswahl der Frauen bin ich Deutscher Meister geworden. Fachwart im Fußball war damals mein jetziger Chef EPHK Budde, und die größte Sensation war, dass die Polizeiauswahl des Märkischen Kreises Fußball-Landesmeister 1995 wurde. Das wird es wahrscheinlich nie wieder geben.

Haben Sie weiter Fußball gespielt?

Ja. In der Oberliga bei Preußen Münster, später dann beim SV Hüsten 09. Es folgten Stationen als Spielertrainer und später als Trainer bei meinem Heimatverein FSV Werdohl und anderen Vereinen in Südwestfalen.

Und beruflich?

1991 kam ich zurück in den Märkischen Kreis und versah Wach- und Wechseldienst in Altena und Lüdenscheid. 1996 wurde ich als Personalratsvorsitzender für zwölf Jahre freigestellt, um mich um die 700 Beschäftigten zu kümmern. Das war eine sehr interessante Zeit, die Aufgabe habe ich unheimlich gerne gemacht. Bei den Wahlen in 2008 habe ich nicht mehr als Vorsitzender kandidiert.

Sie wechselten nach Balve.

Genau. Dort war eine Stelle frei. Die Entscheidung habe ich bis heute nie bereut. Ich habe mich hier immer wohl gefühlt und in den vergangenen Tagen Menschen getroffen, die mir gesagt haben: ‚Schade, dass du gehst. Ihr macht einen guten Job‘. Solche Rückmeldungen freuen einen natürlich.

 
 

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