Noch ist der Funke nicht übergesprungen

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Mellen..  Sie ist nicht besonders schön, und gebraucht wird sie auch nicht mehr, aber abgerissen werden sollte die alte Trafostation mitten in Mellen auch nicht – zumindest, wenn es nach dem Willen vieler Bürger geht, denen der kleine, weiße Turm ans Herz gewachsen ist. Im nächsten Jahr würde die Trafostation ihren 100. Geburtstag feiern. „Die Menschen in Mellen sind mit dem Trafohäuschen aufgewachsen. Das Gebäude hat Dorfcharakter“, weiß Reinhard Schmidt vom Dorfforum. „Für uns ist das ein echter Leuchtturm.“

Seit ein paar Wochen übernimmt ein unscheinbarer, grau-beiger Kasten ein paar Meter weiter die Aufgaben der alten Trafo-Turmstation. Weil es kaum noch Freileitungen in luftiger Höhe gibt, werden immer mehr alte Stationen überflüssig. Der Energiekonzern RWE ist Besitzer des Gebäudes, der Stadt Balve gehört das Grundstück. Beide können sich gut vorstellen, die Meller Trafostation in die Hände der Dorfgemeinschaft abzugeben. „Allerdings sollte das aus vertragsrechtlichen Gründen ein eingetragener Verein sein“, betont Hartmut Scharf von der Stadt Balve.

Der Energieversorger RWE wolle bei einem möglichen Verkauf des Gebäudes keinen Gewinn machen, sagte Westnetz-Mitarbeiter Andreas Steffen. Und bei einem guten Nachnutzungskonzept sei sogar eine Anschubfinanzierung möglich.

Keine gastronomische Nutzung

Zunächst muss sich jedoch die Dorfgemeinschaft entscheiden, ob sie die alte Trafostation überhaupt übernehmen will. „Die Stadt hat mich vor ein paar Wochen angerufen und erklärt, dass RWE die Trafostation nicht mehr benötigt und wohl abreißen will“, erklärt Reinhard Schmidt. „Aber es bestünde auch die Möglichkeit, dass die Dorfgemeinschaft das Gebäude übernehmen könnte. Und das überlegen und diskutieren wir gerade.“

Am gestrigen Freitag nahmen interessierte Bürger die Trafostation von innen in Augenschein. „Wir übernehmen ja nicht die Katze im Sack“, sagte Reinhard Schmidt. Schnell wurde deutlich, dass das zwar relativ hohe, aber mit einer Grundfläche von nur rund vier mal vier Metern auch ziemlich kleine Gebäude, ohne erhebliche Investitionen nicht gastronomisch oder zu Wohnzwecken genutzt werden kann. Denkbar, so Schmidt, seien aber der Einbau einer Ladestation für Elektrofahrräder, die Einrichtung eines Dorfmuseums, der Umbau zu einem Naturschutzprojekt für zum Beispiel Fledermäuse und Eulen oder eine Nutzung als Lagerraum für Material im Dorf. Beispiele für eine sinnvolle Nachnutzung gibt es reichlich. In mehreren vergleichbaren Fällen wurden nicht länger benötigte Trafotürme durch das Engagement von Bürgern vor dem Abriss bewahrt. „Wir sind offen für alle Vorschläge. Wer eine gute Idee hat, darf sich gerne melden“, sagt Reinhard Schmidt.

Noch ist nichts entschieden

Der Sprecher des Dorfforums machte nach der Besichtigung aber auch deutlich: „Noch ist nichts entschieden. Wir müssen uns gut überlegen, ob wir dieses Projekt angehen wollen und später auch schultern können.“

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