Märchen anschaulich erzählt

Gespannt verfolgen die Teilnehmer der Frühstücksrunde der Malteser und des Treffpunkts Demenz das Programm. Es reicht von Märchen bis zu Vorstellungen auf Platt.
Gespannt verfolgen die Teilnehmer der Frühstücksrunde der Malteser und des Treffpunkts Demenz das Programm. Es reicht von Märchen bis zu Vorstellungen auf Platt.
Foto: WP

Balve..  Samstagvormittag. Fröhliches Gemurmel erfüllt den Eingangsbereich des Gesundheitscampus. Diese 30 Menschen, die an zwei langen Tischen beieinander hocken und sich munter austauschen, würden jetzt eigentlich allein vor Kaffee und Brötchen sitzen. Doch statt den Tag wie viele andere nur mit sich und der Tageszeitung zu beginnen, haben sich diese Damen und Herren schick gemacht und sich abholen lassen. Die Malteser und der Treffpunkt Demenz haben zum Frühstück mit Programm eingeladen, und Claudia Kaluza von den Maltesern freut sich über die Resonanz: „So eine schöne Runde! Der Austausch läuft, alle haben sich ein wenig fein gemacht. Ich freue mich, dass wir mit unserem Angebot so viel erreichen können.“

Die Leiterin des Besuchs- und Begleitungsdienstes der Malteser möchte in dieser ungezwungenen Runde die „Schwellenangst“ vieler älterer Mitbürger abbauen. Fremde Leute in der eigenen Wohnung? Wollen die etwas kontrollieren, wollen die bevormunden? „Wenn die Menschen unser Angebot erst einmal angenommen haben, ist es für beide Seiten eine großartige Erfahrung“, wirbt Claudia Kaluza für das kostenfreie und ehrenamtlich betriebene Angebot. Die Besucher haben ein offenes Ohr für ihre Gastgeber, kommen zum „Klönen“ genauso gern wie zum Seelentrösten. Manchmal gehen Malteser und Besuchte auch noch den letzten Weg zusammen: „Das kann bis zur Sterbebegleitung reichen.“

In den Großstädten wünschen sich ältere Menschen oftmals Gesellschaft zuhause. Hier im Sauerland ist die Lage etwas anders: „Hier stellen wir fest, dass der Wunsch genau in die andere Richtung geht. Die Leute wollen auch mal raus kommen und freuen sich, wenn wir gemeinsam etwas unternehmen.“ Ohne eigenes Auto bleibt der Aktionsradius in Balve, Beckum und Garbeck nun einmal begrenzt. Und so haben die Malteser einen Abhol-Service auf die Beine gestellt, der die Menschen zu den Veranstaltungen bringt. „Das funktioniert für unsere Angebote so gut, dass wir überlegen, ihn auszuweiten. Vielleicht könnte man das bei Interesse auch ausbauen und zum Beispiel einmal eine kulturelle Veranstaltung zusammen besuchen“, so Claudia Kaluza.

Märchen vom Schneewittchen

Auf dem Gesundheitscampus sind inzwischen alle satt, das Programm kann beginnen. Wenn Margret Daake loslegt, versteht die jüngere Generation nur Bahnhof. Auf Platt unterhält sie die Damen und Herren aufs Beste. „Meine Eltern haben untereinander nur Platt gesprochen. Das behält man im Ohr“, berichtet sie von ihren Lehrmeistern. Heike Guth-Mindhoff hat das Märchen vom Schneewittchen mitgebracht, das sie übrigens komplett auswendig kann. Nur als Malbilder ausgeteilt werden, reichen einige Damen fast schon empört das Blatt weiter: „Das könnt ihr vergessen!“ Erst als einige Damen mit sichtbarer Freude ans Werk gehen, siegt der Ehrgeiz: „Wenn alle eins machen, dann gib mal her.“

Heike Guth-Mindhoff und ihre Helfer vom „Treffpunkt Demenz“ waren gern dabei, als die Malteser ihr Seniorenfrühstück planten: „Bei uns herrscht ein schönes Miteinander, wir nehmen uns ja gegenseitig nichts weg. Wir sind ohnehin jeden Samstag hier vor Ort, und diesen Termin nutzen wir gern auch noch einmal, um unsere Arbeit vorzustellen.“

Die Helfer vom „Treffpunkt Demenz“ können noch Verstärkung gebrauchen: „Wir würden uns sehr freuen, wenn wir noch einige Betreuer hinzugewinnen könnten“, wirbt Heike Guth-Mindhoff für die neue Ausbildungsrunde noch vor den Sommerferien. Wer Betreuer werden will, muss drei Wochenenden für die Ausbildung investieren. Heike Guth-Mindhoff macht Mut, die Ausbildung anzugehen: „Die Arbeit ist sehr befriedigend. Es ist schön, zu sehen, wie man den Menschen eine gute Zeit bereiten kann, aber auch den Angehörigen eine Atempause verschafft.“

 
 

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