Kletterverbot: Rüffel für Märkischen Kreis

Joachim Fischer hauptamtlicher Referent für Klettern und Naturschutz beim Deutschen Alpenverein
Joachim Fischer hauptamtlicher Referent für Klettern und Naturschutz beim Deutschen Alpenverein
Foto: WP
Im Falle des Kletterverbotes für das Hönnetal hat sich der Kreis einen Rüffel von der Bezirksregierung Arnsberg eingehandelt. Die Kreisverwaltung habe das Naturschutzgebiet Hönnetal und das Kletterverbot nicht zügig genug ausgewiesen

Menden/Balve.. Im Falle des Kletterverbotes für das Hönnetal (WP berichtete) hat sich der Märkische Kreis einen Rüffel von der Bezirksregierung Arnsberg eingehandelt. Die Kreisverwaltung habe das Naturschutzgebiet Hönnetal und das Kletterverbot nicht zügig genug ausgewiesen, so der Vorwurf. Die Antwort des Kreises: zu wenig Personal.

Von dem Kletterverbot, das seit Jahren im Hönnetal bestehen soll und das die Bezirksregierung nun durchsetzen will, hatten weder die Öffentlichkeit noch Kletterverbände etwas gewusst. Wie es nach Ansicht der Bezirksregierung dazu kommen konnte, beschreibt Pressesprecher Dr. Christian Chmel: „Im vorliegenden Fall wäre es der gesetzliche Auftrag zunächst des Märkischen Kreises gewesen, nach Aufnahme des Hönnetals in die Liste der FFH-Gebiete vor Ort eine Schutzgebietsausweisung vorzunehmen – auch um Missverständnisse möglichst zu vermeiden.“

Gleichzeitig sei klar: Wenn ein Kreis diesem gesetzlichen Auftrag nicht zügig nachkomme, sei es Aufgabe der Bezirksregierung als zuständige Aufsichtsbehörde, die Einhaltung von Naturschutzbestimmungen samt Kletterverbot einzufordern.

Auch die Kletterverbände wie der Deutsche Alpenverein (DAV) entlässt Dr. Chmel nicht aus ihrer Verantwortung: Die Rechtslage sei „allen beteiligten Akteuren“ bekannt gewesen. „Sie wurde u.a. auch im Jahre 2010 im Zuge des Fachdialogs der Bezirksregierung mit den Kletter- und Naturschutzverbänden noch einmal eingehend erörtert“.

Der Märkische Kreis verwies gestern darauf, dass das FFH-Schutzgebiet Hönnetal im neuen Landschaftsplan Balve ausgewiesen werden solle. Die Ausarbeitung des Landschaftsplanes habe man im März 2012 „auf den Weg gebracht“. Gestern Abend wurde der Entwurf im Kreisausschuss ohne weitere Debatte „durchgewunken“. Darüber hinaus erfolge „die Fortschreibung von Landschaftsplänen und die Kontrolle der Umsetzung im Rahmen der vorhandenen personellen Ausstattung.“ Was dahingehend zu interpretieren ist, dass für eine frühere Ausweisung des Schutzgebietes und die Durchsetzung des Kletterverbotes das Personal fehlte.

In einem Punkt sind sich Kreisverwaltung und Bezirksregierung jedoch einig. Ob es Ausnahmen vom absoluten Kletterverbot geben kann, hängt vom Ergebnis einer Umweltverträglichkeitsstudie ab. „Die Verbände müssten nachweisen, dass das Klettern in Bereichen des Hönnetals keine schädlichen Auswirkungen auf das geschützte Gebiet und seine Lebensformen hat“, erklärt Dr. Chmel von der Bezirksregierung. Er berichtet, dass bei einem Ortstermin im Oktober 2011 an den Hönnetal-Felsen „offene Feuerstellen, ausgetretene Trampelpfade, Kletterhaken und Nachrichtenboxen in zum Teil blankgegriffenen Felsen, darüber hinaus in Felsen geritzte Schmierereien (in Höhen, die nur von Kletterern erreicht werden)“ festgestellt wurden.

Vorwurf von Alpenverein

Der DAV hat mittlerweile die Umweltverträglichkeitsstudie in Auftrag gegeben. Mit einem Ergebnis wird nicht vor Sommer gerechnet. Der nordrhein-westfälische Naturschutzwart des DAV, Joachim Fischer, sieht aber keinen grundsätzlichen Gegensatz zwischen dem Naturschutz und dem Klettern. Er vermutet hinter dem Kletterverbot für das Hönnetal eine Klientelpolitik der rot-grünen Landesregierung. Fast alle Klettergebiete in Nordrhein-Westfalen seien gesperrt – und mit dem Hönnetal nun auch einige der letzten verbliebenen Kletterfelsen. „Die waren sehr wichtig für unsere Ausbildung“, sagt er. Klettern und Naturschutz müsse geregelt werden, betont er – „aber man sollte das Klettern nicht pauschal verbieten“. Dass Kletterer Lagerfeuer anzünden und Müll am Felsen zurücklassen, kann er sich nicht vorstellen. „So etwas machen Kletterer nicht.“

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