Hilfestellung für schwierige Arbeit mit Flüchtlingen

Balve..  Engagierte Helfer und Paten der heimischen Flüchtlingshilfe ließen sich am Samstag für die schwierige Arbeit mit traumatisierten Flüchtlingen schulen.

Offizielle Zahlen geben an, dass bis zu 40 Prozent aller Menschen, die als Flüchtlinge und Asylbewerber nach Deutschland kommen, unter einem Trauma, oder präziser gesagt einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) leiden. Diese hohe Zahl von immerhin fast der Hälfte aller Menschen dieser Gruppe wollten die zehn Teilnehmer des Tagesseminars ihrer eigenen Erfahrung nach nicht bestätigen.

Schwierige Diagnose

Aber natürlich gibt es sie auch in der Hönnestadt, Menschen deren grauenvolle Erlebnisse vor und während der Flucht zu einschneidenden Veränderungen ihres Verhaltens und ihrer Persönlichkeit geführt haben. Wobei für die Begleiter und Paten, die ja zum größten Teil Laien sind, schon die Frage einer Diagnose schwierig ist: liegt wirklich ein Trauma vor oder hat der Betroffene – grob vereinfacht gesagt – einfach mal „schlechte Tage“ aufgrund seiner schwierigen Situation?

Referent Peter Schulte, Dozent für Psychologie und Seelsorge am Theologischen Seminar Rheinland, gab den Teilnehmern dazu eine detaillierte Aufstellung an die Hand, wie sich Traumata konkret äußern. Anhaltspunkte sind zum Beispiel ein völlig unnormales Zeit-, Raum- oder Körpergefühl oder das entweder völlig teilnahmslose Hinnehmen oder aber dramatisch übersteigertes Empfinden bestimmter Situationen und Erinnerungen. Schon kleinste, von außen betrachtet, völlig zusammenhanglose Reize können die Traumasituationen hervorrufen. Schulte vermittelte weiterhin, dass nicht nur der Helfer, sondern auch der Betroffene selbst möglichst viel Wissen über die eigene Situation haben muss: „Man muss sich bewusst machen können: es geht mir so, weil ich ganz schlimme Dinge erlebt habe.“

Für Helfer und Paten gehört zur Bewältigung nicht nur das Erkennen und Beachten der eigenen Grenzen, sondern auch das Eingeständnis des eigenen „Laien-Seins“, so Schulte: „Die Arbeit steht unter der Prämisse, den betroffenen Asylbewerber, einer Ersten Hilfe vergleichbar, auf dem Weg bis zu einer professionellen Traumatherapie zu begleiten und diese Zeit möglichst heilsam zu überbrücken.“ Dieser Zeitraum kann in günstigen Fällen drei Monate, aber auch bis zu eineinhalb Jahre lang sein.

 

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