Dagmar Freitag: „Die Menschen wenden sich vom Sport ab“

Dagmar Freitag
Dagmar Freitag
Foto: Richard Elmerhaus

Garbeck..  Ohne Jetlag ist Dagmar Freitag, SPD-Bundestags-Abgeordnete und Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, am Donnerstag von den Olympischen Spielen aus Rio de Janeiro (Brasilien) heimgekehrt. „Noch nie bin ich mit einem so diffusen Gefühl zu Olympia geflogen und zurückgekehrt wie dieses Mal“, berichtete Freitag während des Festaktes zum 25-jährigen Bestehen der SG Balve/Garbeck in der Garbecker Schützenhalle, bei dem sie von MdL Inge Blask begleitet wurde. Die Diskussionen um staatliches Doping russischer Athleten führten auch dazu, dass „Menschen sich zunehmend vom Sport abwenden“. Die Lust auf Olympische Spiele habe gelitten. „Und auch ich habe die Wettkämpfe mit einer inneren Distanz verfolgt“, gestand Freitag.

Diese Eindrücke würden Fragen aufwerfen. „Welchen Spitzensport wollen wir in Deutschland? Und wollen wir Medaillen um jeden Preis?“ Um die Glaubwürdigkeit des Sports nicht gänzlich aufs Spiel zu setzen, müsste man eventuell auch mit weniger Gold, Silber und Bronze im Medaillenspiegel leben. „Außerdem macht mir Sorge, in welche Länder internationale Veranstaltungen vergeben werden“, sagte Freitag. Wenn der Eindruck entstehe, es gehe nur noch um ein Milliardengeschäft, „dann ist das in unserer Demokratie nicht mehr vermittelbar“ – wie das „Nein“ bei den Bürgerentscheiden zu Olympia-Bewerbungen in Hamburg und München zeige.

Respekt und Fairplay

Natürlich gratulierte Dagmar Freitag der SG Balve/Garbeck zu ihrem Jubiläum. Sie gestand, dass der Besuch in Garbeck auf der Kippe gestanden habe, weil ihr Bruder runden Geburtstag feiere. „Aber wer Geburtstag feiern kann, kann vorher auch Jubiläum feiern“, sagte die Bundestags-Abgeordnete unter dem Jubel der Gäste. Fusionen in Vereinen oder Abteilungen seien nicht immer ganz einfach. „Manchmal lässt uns die Vernunft zusammenarbeiten.“

Dass jetzt 25 Jahre hinter der Sportgemeinschaft liegen, sei ein Verdienst der Ehrenamtlichen. „Ich weiß um die Schwierigkeit, heutzutage Ehrenamtliche zu finden.“ Deshalb sei ein funktionierendes Vereinsleben immens wichtig. „International kämpft der Sport um seine Rolle und Werte. Hier vor Ort findet man diese Werte: Respekt, Fairplay und über den Tellerrand hinaus schauen“, sagte Freitag auch mit Blick auf die Integration von Flüchtlingen. Sie sei in der „nicht ganz einfachen Zeit in unserem Land“ ganz wichtig. Vereine würden Integration mit Leben füllen. „Das macht sie unverwechselbar.“

 
 

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