Aus Sparbuch mit 30 DM werden in 34 Jahren 53 Cent

Heiner Oest aus Beckum mit seinem Postsparbuch: aus 30 DM wurden 53 Cent. Foto: Stefan Scherer
Heiner Oest aus Beckum mit seinem Postsparbuch: aus 30 DM wurden 53 Cent. Foto: Stefan Scherer
Wie aus ehemals 30 Mark - angelegt 1988 auf einem Postsparbuch - auf einmal 53 Cent werden, musste jetzt Heiner Oest erleben: Die Postbank hatte 2008 nämlich entschieden, Kontoführungsgebühren von einem Euro je Monat für Einlagen dieser Art zu nehmen. Eine Frechheit“, sagt der Beckumer, der sich dagegen zur Wehr setzte.

Beckum.. Heiner Oest staunte nicht schlecht: Einen Wimpernschlag dauerte es nur, da schrumpften ehemals 30 D-Mark auf 0,53 Euro, und das obwohl das Geld mehr als 20 Jahre auf einem Postsparbuch mit Verzinsung geschlummert hatte. „Eine Frechheit“, sagt der Beckumer, der sich dagegen zur Wehr setzte.

Seit Jahrzehnten in der Schublade

Das Oest’sche Postsparbuch der Deutschen Bundespost hat dabei eine Karriere hinter sich, wie sie in tausenden deutschen Haushalten Sparbücher diverser Banken erleben: „Ich habe es 1988, als ich bei der Marine war, auf einer Bootsmesse in Hamburg mit den 30 Mark Guthaben gewonnen. Seitdem lag es in einer Schublade.“ Zum Weltspartag im vergangenen Jahr erinnert er sich an das alte Postsparbuch, kramt es hervor und geht damit zur Balver Filiale der Postbank. „Ich war gespannt, wie viele Zinsen sich in 23 Jahren angesammelt hatten.“ Dort wurde das alte Sparbuch entwertet, ein neues angelegt und flugs auf den aktuellen Stand gebracht: 53 Cent.

Oest fiel aus allen Wolken, wandte sich umgehend an die Beschwerdestelle der Postbank und erhielt postwendend eine Antwort von Martin Bauer vom Team Nachforschung der Postbank. Der teilt dem Beckumer mit, dass die Postbank für gewisse Konten zum 1. Januar 2008 ein Entgelt von 1 Euro pro Monat für die Kontoführung von Sparkonten mit dreimonatiger Kündigungsfrist berechnet. Das Entgelt, das Sparbücher betrifft, die die Postbank bis in die 90er Jahre hinein im Portfolio hatte, werde nicht fällig, „wenn der Kontoinhaber minderjährig ist oder mehrere Sparkonten bei der Postbank unterhält oder das Sparkonto ein Guthaben von 60 Euro aufweist oder in den letzten drei Jahren auf dem Sparkonto Ein- und Auszahlungen gebucht wurden.“ Ein Schreiben sei dazu jedem Kunden im Dezember 2007 zugestellt worden.

Auf den Arm genommen

Heiner Oest hatte dieses nicht bekommen, fühlte sich auf den Arm genommen und hakte nach. „Mir geht es nicht um das Geld, sondern um das Prinzip. Wenn das bei 1000 Kunden passiert, geht es hier ja um Millionen Euro“, sagt er. Diesmal kümmerten sich Ruth Miller und Günter Mitschke aus der Abteilung „Beschwerdemanagement Nachforschung“ um ihn. Mit den Worten „Leider haben Sie dieses Schreiben nicht erhalten“, bekam Oest 20,44 Euro auf seinem Sparbuch gutgeschrieben. Das entspricht den 30 D-Mark inklusive Zinsen.

Die Erklärung liegt für Markus Feck, Anwalt mit Schwerpunkt auf dem Bankenwesen und zudem bei der Verbraucherzentrale NRW tätig, auf der Hand. „Herr Oest hat seit 1988 die Adresse gewechselt, so dass ihn das Ankündigungsschreiben nicht erreichte. Damit gilt die Änderung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen für ihn nicht.“ Seines Wissens nach ist die Postbank das einzige Kreditinstitut, das Sparbücher mit einer Kontoführungsgebühr belegt. Diverse andere Banken haben sich bereits damals aus Gründen des guten Stils von diesem Vorgehen distanziert.

Postbank bezieht Stellung

Die WP fragte bei Postbank-Pressesprecherin Uta Schaller nach. Diese bezog schriftlich Stellung. „Das Produkt ,Sparkonto mit dreimonatiger Kündigungsfrist’ wird seit über fünfzehn Jahren von der Postbank nicht mehr neu eröffnet. Damit ist auch nur ein verschwindend kleiner Teil (bei Entgelteinführung 2008: 0,2 Prozent) unserer Spareinlagen von diesem Entgelt betroffen. Die Postbank hat sich zur Einführung dieses Entgeltes entschlossen, da Sparkonten, die von den Kontoinhabern nicht aktiv genutzt werden und nur geringe Einlagen aufweisen, überproportional viele Kosten verursachen.“

 
 

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