Angst vor Stollen und Weltkriegsmunition

Christof Bergmann und Sandra Runte vor dem zu drei Vierteln fertigen Keller ihres Hauses. Sie hoffen, dass sie nach nervenaufreibenden Monaten im Sommer endlich einziehen können.
Christof Bergmann und Sandra Runte vor dem zu drei Vierteln fertigen Keller ihres Hauses. Sie hoffen, dass sie nach nervenaufreibenden Monaten im Sommer endlich einziehen können.
Foto: WP

Balve.  Die Lebensplanung von Sandra Runte (25) und Christof Bergmann (33) sah etwas anders aus. Nach ihren ursprüngliche Planungen wollten sie bereits seit Weihnachten in ihrem neuen Haus Unterm Beggenbeil wohnen. Davon sind sie allerdings noch ein ganzes Stück entfernt. Aktuell können sie sich nur die nackten Mauern ihres Kellers anschauen.

Das Paar musste Haus und Hochzeit verschieben, weil die Vermutung nahe lag, dass unter ihrem Grundstück ein alter Bergbaustollen verläuft, was schließlich sogar die Kampfmittelbeseitigung auf den Plan rief. Aber der Reihe nach. „Wir wollten eigentlich immer ein gebrauchtes Haus kaufen, haben jedoch nicht das passende Objekt gefunden. Also haben wir uns Anfang 2012 überlegt, Unterm Beggenbeil zu bauen“, erzählt Christof Bergmann. Alles nahm seinen gewohnten Lauf, im Juni stand die Finanzierung, im August sollten die Bagger anrücken.

„Dann hat unser Nachbar uns freundlicherweise erzählt, dass unter seinem Grundstück ein alter Bergbaustollen verläuft und das Gutachten, das er vorliegen hat, zeigt, dass dies auch unter unserem Grundstück der Fall sein könnte“, sagt Sandra Runte. Nicht umsonst heißt die Parallelstraße „Auf dem Eisenstollen.“ Der Finanzbuchhalter und die Mediengestalterin entschlossen sich, auf Nummer sicher zu gehen und ebenfalls ein Gutachten einzuholen. Der Gutachter rückte aus Magdeburg an und untersuchte den Untergrund mit einem Gerät, das Schwingungen in den Boden schickt. Das war Mitte August. „Nach zwei Wochen bekamen wir von dem Gutachter jedoch anstelle der Ergebnisse die Nachricht, dass die Hälfte der Daten unbrauchbar sei“, sagt Christof Bergmann. Erneut machte sich der Geophysiker auf den Weg nach Balve.

Diesmal gab es kein Problem mit den Daten, allerdings stellte der Experte an zwei Stellen Anomalien fest. Eine Bohrung, die eine Essener Firma vornehmen sollte, musste klären, ob diese Hohlräume tief genug lagen.

Diese Firma weigerte sich jedoch, in den Balver Boden vorzustoßen. Ihre Befürchtung: Hier könnte Weltkriegsmunition liegen. Inzwischen war es Mitte September. Die Stadt Balve musste sich an die Bezirksregierung in Arnsberg wenden, die entsprechende Karten suchen musste, auf denen vermerkt ist, was während der Weltkriege bombardiert wurde. Am 9. Oktober teilte Arnsberg mit: „Keine Einwände.“

Am 17. Oktober fand schließlich die Bohrung statt. Das Ergebnis: Bis in eine Tiefe von 30 Metern gibt es keine Hohlräume. „Anfang Dezember konnten wir endlich mit dem Bau beginnen. Dann kam der Frost und die Arbeiten ruhten seitdem vorerst wieder“, sagt Sandra Runte.

Die beiden hoffen nun, dass sie im Sommer aus Iserlohn in Sandra Runtes Heimatstadt ziehen können. Die Hochzeit ist bereits auf 2014 verschoben. „Wir haben zwar viele Nerven gelassen, aber jetzt freuen wir uns um so mehr auf Haus und Hochzeit.“

 
 

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