Wohin mit dem Sendemasten?

Ruine und Sendemast - ein eingleiches Duo.
Ruine und Sendemast - ein eingleiches Duo.
Foto: Ted Jones
  • Pachtvertrag läuft noch bis 2025
  • Heimatbund Arnsberg sieht Handlungsbedarf
  • WDR möchte am Standort festhalten

Arnsberg.  Schön ist er wahrlich nicht und an diesem historischen Ort wohl auch etwas deplatziert: der Sendemast auf dem Arnsberger Schlossberg. Doch der Pachtvertrag zwischen Stadt und dem Westdeutschen Rundfunk (WDR) in Köln als Eigentümer und Nutzer der hoch über der Ruine thronenden Anlage läuft noch bis 2025.

Nicht wenige Arnsberger befürchten jedoch, dass der Sendemast - völlig unabhängig von der optischen Beeinträchtigung eines der schönsten Orte des Stadtteils - weitere Entwicklungen behindern könnte. Zum Beispiel den Bau eines Aussichtsturmes, würde sich doch gerade der Bereich, in dem sich der stählerne Zeigefinger befindet, dafür anbieten.

„Der Sendemast,“ nimmt so auch Werner Bühner als 2. Vorsitzender des Heimatbundes kein Blatt vor den Mund, „könnte da schon zu einem Problem werden. Deshalb sollten sich die Verantwortlichen schon jetzt etwas einfallen lassen. Ich sehe das als wichtig an.“

Ohnehin habe ein solch markanter Mast, der die Silhouette von Schlossberg und -ruine erheblich beschädige, an dieser exponierten Stelle nichts verloren. Und wie gering die Akzeptanz für den Ist-Zustand sei, könne man allein schon daran ablesen, dass der Sender nahezu auf jeder Arnsberg-Postkarte wegretuschiert werde „Weil es so einfach nicht aussieht.“

Anderen Standort suchen

Grundsätzlich, findet Bühner, gebe es doch angesichts der fortschreitenden Technik gerade im Bereich Kommunikation sicher andere Lösungen und auch andere Standorte. Vielleicht lasse sich sogar ein solcher Sender in kleinerer Version auf einem Dach installieren, wo er nicht so ins Auge springe. Und letztlich, zielt das Heimatbund-Vorstandsmitglied auf den laufenden Pachtvertrag ab, „darf in dieser Sache ein wirtschaftlicher Nachteil zu Lasten der Stadt bei Kündigung des Vertrages nicht das entscheidende Kriterium sein.“

Welche Summe für die Pacht vom Rhein an die Ruhr fließt, das ist im Rathaus übrigens nicht in Erfahrung zu bringen. „Der WDR legt Wert darauf, dass keine Zahlen öffentlich werden,“ sagt Stadtsprecher Elmar Kettler auf Anfrage unserer Zeitung. Weil der Kölner Sender sonst befürchte, bei Pachtverhandlungen in anderen Orten ins Hintertreffen zu geraten. Nur so viel lässt sich Kettler entlocken: „Reich wird man mit dem Pachtgeld nicht.“

Für Werner Bühner ist es jedenfalls keine Frage, den Sendemasten an anderer Stelle zu installieren. „In den 60er und 70er Jahren mag dieser Standort vielleicht unverzichtbar gewesen sein, um die TV-Wellen ungestört nach Arnsberg zu transportieren, aber ob das heute noch erforderlich, ist die andere Frage.“

Vielschichtiger Prozess

Eine Frage, die der Westdeutsche Rundfunk mit einem Ja beantwortet. Aber mit kleiner Einschränkung: „Einen Alternativstandort zu suchen, ist grundsätzlich möglich. Die Erfolgsaussichten, die Stadt Arnsberg von einem Standort außerhalb der Stadt in der gleichen Qualität zu versorgen, sind jedoch nicht sehr groß.“ So Heinrich Schon von der Abteilung Programmverbreitung des WDR. Gerade in Arnsberg würden die topographischen Besonderheiten der Umgebung eine nicht unerhebliche Rolle spielen.

Auf jeden Fall würde ein Standortwechsel Jahre in Anspruch nehmen. „Ad hoc läuft da nichts.“ Denn ein solcher Prozess, erläutert Schon, sei vielschichtig, weil u.a. technische Eignungsprüfungen, aufwändige Genehmigungsverfahren, Frequenzabstimmung und Mastaufbau enorm viel Zeit erfordern würden. Zudem seien dann auch andere Behörden wie die Bundesnetzagentur involviert. „Das ist ein wahnsinnig großer Aufwand und letztlich auch eine Kostenfrage in unserem Haus.“

Aber auch das steht im Raum: „Es ist geplant, die digitale Alarmierung der Feuerwehr über den Sendemasten laufen zu lassen,“ sagt Martin Reuther, Sprecher des Hochsauerlandkreises.

Erster Pachtvertrag 1965 abgeschlossen

Nach eigenen Angaben nutzt der WDR den Standort Schlossberg für die Verbreitung seiner Programme über UKW und DAB+. Radio NRW strahlt von dort eine UKW-Lokalfunkfrequenz ab.

Der erste Pachtvertrag zwischen Stadt Arnsberg und Westdeutschem Rundfunk wurde 1965 abgeschlossen. Mit einer Laufzeit von 30 Jahren.

1995 wurde dann der Vertrag nochmals verlängert - um weitere 30 Jahre bis 2025.

1996 gab es dann erstmals eine größere öffentlich-politische Diskussion über den Standort des 28 Meter hohen Sendemasten.

 
 

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