„Wir leben in der besten aller Zeiten“

Arnsberg.  Die Volksbank Sauerland hatte Donnerstagabend im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Volksbank Dialog“ mit dem Polit-Urgestein Dr. Theo Waigel einen hochrangigen und kompetenten Gast eingeladen. Der ehemalige Bundesfinanzminister im Kabinett Kohl referierte in lockerer Form über die großen und kleinen Probleme in Europa.

Volksbank-Vorstand Jürgen Dörner begrüßte im Sauerlandtheater die zahlreichen Kunden und Genossenschaftsmitglieder und freute sich, einen so hochrangigen Redner präsentieren zu können. Das Thema „Europa in der Krise – Herausforderungen an die Finanz- und Wirtschaftspolitik“ war auf diesen genau zugeschnitten. Denn Waigel gilt als vehementer Verfechter der europäischen Idee. Die Europäische Union könne große Erfolge nachweisen, sei aber behaftet mit zu viel Bürokratie. So sei die Genehmigung eines Freibads oder eines Waldlehrpfades Sache der jeweiligen Landesregierung und nicht etwa der Brüsseler Beamten.

Bürokratie abbauen

Zu Beginn erinnerte Theo Waigel vor dem Hintergrund der US-Präsidentenwahl an merkwürdige Wahlergebnisse in der Geschichte Europas. So sei der englische Premierminister Winston Churchill auf dem Höhepunkt seiner Macht abgewählt worden, ebenso sei es Helmut Kohl ergangen, der 1998, trotz seiner Verdienste um die deutsche Einheit, nicht wiedergewählt wurde. Auch Michail Gorbatschow, „der Europa den Frieden gebracht hat“, sei zwei Jahre nach der Wiedervereinigung gestürzt worden.

Und: Hass und falsche Parolen hätten in den Wahlkämpfen Einzug gehalten, durch die neuen Medien sei dieses Verhalten unkontrollierbar geworden: „Mittlerweile scheint es so, dass im Wahlkampf alles erlaubt ist“.

Waigel, der häufig als der „Namensgeber des Euro“ tituliert wird, sprach sich für eine straffe Weiterentwicklung der Europäischen Union aus. Die Konjunktur in Deutschland stehe auf solidem Fundament, dadurch habe man sich zum attraktivsten Land emporgearbeitet. „Darauf dürfen wir stolz sein.“ Die Stabilität Deutschlands machte der CSU-Politiker an einem Beispiel fest: Trotz eigener hoher Kosten stelle Deutschland enorme Garantiesummen für die mittel- und osteuropäischen Länder zu Verfügung. Dennoch stehe man gut da. Waigel streifte auch kurz die Flüchtlingspolitik. Zusätzlich zum „Wir schaffen das“ wären die Sätze „Wie schaffen wir es“ und „Wie viel schaffen wir“ notwendig gewesen.

Waigel forderte höhere Ausgaben in der Entwicklungshilfe. Durch das in Lernen und Ausbildung eingesetzte Geld spare man in Deutschland langfristig ein Vielfaches.

Europa müsse aus den negativen Schlagzeilen herauskommen. Man müsse der Jugend sagen: „Europa ist ein Projekt“. Man brauche in Europa derzeit auch nicht „den großen Wurf“, wichtig sei das Bemühen um Frieden, Stabilität und Entbürokratisierung. Dr. Theo Waigel schloss mit den Worten: „Wir leben in der besten aller Zeiten und müssen auch unseren Enkeln ein stabiles Land garantieren. Das geht nur mit ‚Deutschland in Europa‘.“

 
 

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