Von der Kreativität und dem Müll

Im Kunstsommer 2016 stehen das Fahrrad und die Wegwerf-Gesellschaft im künstlerisch-kreativen Fokus.
Im Kunstsommer 2016 stehen das Fahrrad und die Wegwerf-Gesellschaft im künstlerisch-kreativen Fokus.
Foto: Stadt Arnsberg
  • Künstlerisches Schaffen mit energetischem Wert
  • “Upcycling“ soll keine Eintagsfliege bleiben
  • Erstmals Akademie 6-99 im Kunstsommer vertreten

Arnsberg.  Nahezu runderneut präsentiert sich die Arnsberger Innenstadt - und „rund_erneuert“ heißt das Motto des Kunstsommers 2016. Nicht ohne Hintersinn, denn die Kunstsommer-Macher wollen die durch die Innenstadtsanierung entstandenen Sichtachsen und die architektonische Offenheit nutzen und mit der Kreativität der Teilnehmer zusammenführen. Ein zentrales Thema dabei: das „Upcycling“ mit dem Fahrrad im Mittelpunkt. Auch das eine Runderneuerung.

Damit bekommt der Kunstsommer 2016 eine gesellschaftskritische Komponente. Weil er sich mit der Wegwerf-Gesellschaft befasst und sich mit diesem Problem im künstlerisch-kreativen Spiel auseinandersetzt. „Der Fantasie der Teilnehmer,“ erklärte Kirsten Minkel als Leiterin des Kulturbüros bei der Vorstellung dieses Projektes, „sind dabei keine Grenzen gesetzt. Es wird spannend sein, was auf kreative Weise mit den Abfallprodukten passieren wird.“

Immerhin: In der konsumfreudigen Gesellschaft werden viele Dinge entsorgt, obwohl sie noch brauchbar sind. Daher verwundere es nicht, dass in ärmeren Gesellschaften oft aus Abfallmaterial völlig neue Gegenstände geschaffen würden. Und genau da komme das „Upcycling“ ins Spiel, mit dem aus Altem Neues entstehen soll. Nach dem Motto: „Einfälle statt Abfälle“. Und das auf künstlerischem Weg. „Was zudem einen hohen energetischen Wert besitzt, denn so wird die stoffliche Bilanz eines Gegenstandes verlängert,“ so Minkel.

Ab sofort steht bei den Technischen Diensten auf dem Wertstoffbringhof an der Arnsberger Straße eine entsprechende „Sondersammelstelle Kunstsommer“ zur Verfügung. Was einen rechtlichen Hintergrund hat: Einmal zur Entsorgung abgegebene Gegenstände dürfen nicht für eine solche Aktion verwendet werden. Deshalb sollen Bürger, die alte Dinge für eine weitere Verwendung im Kunstsommer abgeben möchten, diese kurzzeitige Anlaufstelle nutzen.

Und weil das Fahrrad viele und vieles bewegt, der Ruhrtalradweg seit zehn Jahren besteht und das Radfahrern bei nachhaltiger Betrachtung des Themas Mobilität immer stärker in den Mittelpunkt rückt, steht beim Kunstsommer- „Upcycling“ das Fahrrad ganz besonders im Fokus, lassen sich doch aus dessen ausrangierten Teilen mit Schweißgerät und Lötkolben, mit Schraubenschlüssel und Zange fantasievolle Kunstwerken gestalten. Nach dem Leitsatz: „Wir erfinden das Rad nicht neu - aber Sie vielleicht“.

Keine Eintagsfliege

Wobei Kirsten Minkel vorsichtshalber gleich die Vorderradbremse zieht: „Es soll nichts Neues und Intaktes zerstört werden.“ Denn dies würde zum einen dem künstlerischen Zugang zur Wiederverwertung entgegenwirken, zum anderen seien funktionsfähige bzw. noch reparaturfähige Fahrräder in der Flüchtlingshilfe, im „Repair Café“ und bei der Neuen Arbeit deutlich besser aufgehoben. Es geht also nur um Fahrrad-Schrott.

In der künstlerisch-kreativen Verwertung von Weggeworfenem sieht Kirsten Minkel übrigens keine Eintagsfliege. „Ich persönlich glaube, dass dieses Vorgehen eine Initialzündung auslösen und so viele Nachahmer finden kann.“ Gut für die Kunst, und gut für die Umwelt.

Erstmals dabei: Akademie 6 - 99

Unter Leitung von der Stephanie Neuhaus können im Kunstsommer eigene Fahrräder kreativ runderneuert werden: Auf dem Neumarkt wird geschweißt, gemalt, gesprüht und gewerkelt.

Die im Kunstsommer geschaffenen Werke sollen nicht spurlos verschwinden. Wer mag, kann diese zu einer Ausstellung auf dem Stadtwerke-Campus beisteuern.

Im Anschluss können die Werke im Rahmen einer von der Bürgerstiftung organisierten Finissage für einen guten Zweck versteigert werden.

Erstmals dabei im Kunstsommer ist die Akademie 6-99 mit dem Projekt „Wertstoff als Kunst-Stoff - Einfälle statt Abfälle“.

Benötigt werden u.a.: defekte Fahrräder, Fahrradreste, runde Gegenstände, biegbare/dehnbare Gegenstände, Metall, Skier, Stangen, Knöpfe, Schrauben, Haken und Ösen.

 
 

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