Über die großen Risiken der Radfahrer

Anike Engels

Meschede.  Nicht nur Autofahrer und Motorradfahrer kommen bei Verkehrsunfällen ums Leben - es trifft auch Radfahrer. Die gute Nachricht: 2015 hat kein Radfahrer auf den Straßen des Hochsauerlandkreises sein Leben gelassen. 2014 gab es noch drei tödliche Verkehrsunfälle. Schwerverletzt wurden in beiden Jahren 30 Radfahrer.

Diejenigen, die das umweltfreundliche Verkehrsmittel nutzen, sind im Straßenverkehr besonderen Risiken ausgesetzt. Denn auch ein noch so gut ausgerüstetes Fahrrad habe schließlich keinen Airbag oder den Körper schützendes Blech, wie der ADAC erklärt. Deshalb sei das Risiko für Fahrradfahrer, bei einem Unfall zu sterben, fünfmal höher als für die Insassen eines Pkw, so der ADAC. Besonders kritisch sei es dann, wenn ein Fahrradfahrer mit einem Pkw kollidiere. Auch einer der getöteten Fahrradfahrer im Hochsauerlandkreis stieß mit einem fahrenden Pkw zusammen.

„In diesem Fall war die Unfallursache Alkohol“, wie Bianca Scheer, Pressesprecherin der Polizei, erklärt. „Der Radfahrer war alkoholisiert, trug Kopfhörer und überquerte unvermittelt die Fahrbahn. Trotz des Ausweichmanövers der Autofahrerin wurde der 35-jährige so schwer verletzt, dass er noch an der Unfallstelle verstarb“, sagt Scheer.

Am häufigsten passieren Unfälle nach Angaben des ADAC innerorts an Kreuzungen. Oft werden dabei Radfahrer von abbiegenden Autofahrern übersehen. Doch zwei der drei im Jahr 2014 verstorbenen Fahrradfahrer im HSK verunglückten ohne einen Zusammenstoß mit einem Auto. „Ein Radfahrer fuhr gegen einen auf der Straße liegenden Baum und stürzte. Der andere, ein Pedelec-Fahrer, führte eine Vollbremsung auf abschüssiger Strecke durch und stürzte ebenfalls“, sagt Scheer.

Beide waren älter als 60 Jahre. Auch deutschlandweit waren mehr als die Hälfte aller Opfer mindestens 65 Jahre alt, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der ADAC begründet die erhöhten Sterbezahlen in dem Alter damit, dass ab dieser Altersgrenze ein erhöhtes Verletzungsrisiko vorliege.

Umsichtige Fahrweise

Radfahrer können jedoch ihren Teil dazu beitragen, sich gut zu schützen. Deshalb rät Bianca Scheer in erster Linie dazu, einen Helm zu tragen und Verkehrsregeln zu befolgen. „Der Fahrradhelm bietet eine passive Sicherheit. Nicht zu unterschätzen ist natürlich auch eine umsichtige Fahrweise mit ausgeprägtem Gefahrenbewusstsein und eine geringe Kollisionsgeschwindigkeit“, erklärt Scheer. Für den Zusammenstoß mit einem Pkw gilt, dass schon eine Reduktion der Aufprallgeschwindigkeit um 20 km/h das Kopfverletzungsrisiko erheblich reduziert, wie eine Studie der „Unfallforschung der Versicherer“ festgestellt hat. Bis es irgendwann vielleicht einmal einen zuverlässigen Schutz an Autos gibt, die Radfahrer erkennen und dann abbremsen, könne sich weiterhin nur schützen, wer einen Helm trägt und vorausschauend fährt.