Studenten sollen erkennen: So schlimm ist es gar nicht im Sauerland

Justizminister Thomas Kutschaty begrüßte die Studenten im Landgericht Arnsberg
Justizminister Thomas Kutschaty begrüßte die Studenten im Landgericht Arnsberg
Foto: WR

Arnsberg.. Für die nächsten sechs Wochen wird das Arnsberger Landgericht zur „Außenstelle“ der Ruhruni Bochum: 100 Jurastudenten werden hier ihr Praktikum ableisten und Seminare besuchen können. Zum Auftakt war gestern NRW-Justizminister Thomas Kutschaty gekommen. Er lobte das „Arnsberger Modell“ als beispielhaft.

Das ist schon klasse, was den Studentinnen und Studenten geboten wird: Während ihrer Zeit in Arnsberg können sie Prozesse verfolgen und im Anschluss mit den Beteiligten diskutieren, Staatsanwälte, Verteidiger und Mitarbeiter der JVA in Werl stehen für Gespräche zur Verfügung. „Das ist bundesweit einmalig“, konstatierte der Justizminister. Und Prof. Gereon Wolters von der Ruhruni beglückwünschte seine Studenten, sie hätten die „wunderbare Möglichkeit, die ganze Justiz durchlaufen zu können.“ Seit Wochen schon ist das Team um Landgerichtspräsident Christian Müller und Richter Peter Marchlewski dabei, Termine und Referenten zu koordinieren. „Ganz schön aufwendig ist das“, weiß Marchlewski, denn das Engagement aller läuft ehrenamtlich.

Es fehlt an Nachwuchs

Hintergrund ist das strukturelle Problem, mit dem immer mehr Justizbehörden außerhalb der Großstädte zu kämpfen haben. Junge Juristen praktizieren lieber in Münster als im Sauerland, sprechen lieber in Bochum Recht als am Arnsberger Gericht und sind selbst für die Referendariatszeit kaum in die Provinz zu bekommen. „Der Ärztemangel auf dem Land ist bekannt – gleiche Probleme aber haben wir auch mit dem akademischen Nachwuchs in der Justiz“, berichtet Landgerichtspräsident Christian Müller.

Vor drei Jahren lud man erstmals Studenten nach Arnsberg ein – und bot ihnen etwas, worauf viele richtig „heiß“ sind: Praxiserfahrung. 54 Studenten kamen zum ersten Praktikum, 100 im vorigen Jahr und ebenso viele auch diesmal wieder. Die Hoffnung der Organisatoren: Dass die jungen Menschen erkennen, dass es „so schlimm“ im Sauerland gar nicht ist. Dass Arbeitsklima und beruflicher Anspruch mit anderen Standorten durchaus konkurrieren können. Und dass Arnsberg gar nicht so weit entfernt ist vom Ruhrgebiet, wie mancher glaubt. Ob das tatsächlich so bei den Studenten ankommt?

Die WR wird nach den sechs Wochen drei Studenten nach ihrem Resümee fragen. Gestern jedenfalls waren David Fitzner (21) aus Gelsenkirchen, Philine Erdmann (20) aus Witten und Henrike Keusemann (21) aus Herdecke noch nicht wirklich überzeugt davon, später hier mal einen Arbeitsplatz zu haben. „Bisschen klein hier“, meint Jurastudent Fitzner. „Wenig los“, stellten Philine Erdmann und Henrike Keusemann fest. Immerhin: Die Chance, Jura live zu erleben, lockte sie schon mal hierher. Mal schaun, ‘ was draus wird.

 
 

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