Sparkasse und Volksbank kooperieren

Heinz Krischer
Sparkasse und Volksbank kooperieren: Ernst-Michael Sittig und Reinhard Scheffer  vor den Filialen in Sundern, die zusammengelegt werden
Sparkasse und Volksbank kooperieren: Ernst-Michael Sittig und Reinhard Scheffer vor den Filialen in Sundern, die zusammengelegt werden
Foto: WR

Sundern/Arnsberg. Die Sparkasse Arnsberg-Sundern und die Volksbank Sauerland wollen in Sundern zwei Geschäftsstellen zusammenlegen, das Personal abziehen und Kunden beider Institute nur noch einen gemeinsamen Geldautomaten zur Verfügung stellen. Die Kooperation könnte ein Vorbild auch für andere Filialen im Arnsberger und Sunderner Stadtgebiet sein.

Seit Jahren machen sie sich Konkurrenz auf engstem Raum: An der Sunderner „Silmecke“ gibt es direkt nebeneinander eine Geschäftsstelle der Sparkasse und eine der Volksbank Sauerland. Am 15. November ist das jedoch Geschichte.

Dann werden die Mitarbeiter, die jetzt noch dort tätig sind, zu den jeweiligen Hauptstellen in der Sunderner Innenstadt abgezogen und die Sparkassen-Filiale geschlossen. In den Räumen der Volksbank wird dann eine gemeinsame Selbstbedienungs- (SB) Geschäftsstelle eingerichtet: Zwei Kontoauszugsdrucker und ein Geldautomat, aus dem Kunden der Volksbank wie der Sparkasse ohne Gebühren ihr Bargeld bekommen. Persönliche Ansprechpartner wird es in der Filiale nicht mehr geben.

Bei einem Ortstermin gestern Morgen verteidigten Sprecher der beiden Banken das neue Konzept. „Es bedeutet nicht, dass wir uns aus der Fläche zurückziehen oder eine Geschäftsstelle schließen“, sagte Sparkassen-Vorstand Ernst-Michael Sittig. „Es ist nur eine Veränderung des Angebotes.“

„Immer mehr, insbesondere junge Leute, nutzen Online-Banking. Das Geschäft hier in der Filiale lohnt sich nicht mehr“, begründete Volksbank-Vorstand Reinhard Scheffer den Schritt.

Beide Banken glauben, dass sie ihren Kunden zumuten können, bei einem gewünschten persönlichen Gespräch in die jeweiligen Hauptstellen im Sunderner Kernbereich zu kommen.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Geschäftsstellen sollen nicht entlassen werden, sondern ihr Arbeitsplatz soll an andere Stelle verlagert werden. Allerdings könnten im Wege natürlicher Fluktuation die Stellen (1,0 bzw. 1,2) künftig eingespart werden.

Einsparungen erhoffen sich Volksbank und Sparkasse auch von dem gemeinsamen Geldautomaten, dessen Betrieb, Wartung und Befüllung sehr kostenaufwendig sei. Die jetzt in Sundern geplante Kooperation sei eine „Idee, die wir ausprobieren wollen“ – mit dem Ziel, zu schauen, ob sie auch andernorts umsetzbar ist, hieß es gestern. Konkrete Pläne gebe es noch nicht. Aber eine nahezu identische Situation wie an der Sunderner Silmecke gibt es auch in Rumbeck – dort ist die SparDaKa Oeventrop nahe der Sparkasse.

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KOMMENTAR

Nein, einen Rückzug aus der Fläche werde es nicht geben. Und nein, es würden keine Geschäftsstellen geschlossen. Antworten, die vor Monaten noch bei Pressegesprächen von Volksbank und Sparkasse gegeben wurden, sind jetzt Makulatur. Denn nichts anderes als die Schließung einer Geschäftsstelle ist es, wenn das Personal abgezogen wird und nur noch ein Automat Bargeld auszahlt. Diesen Service bieten heutzutage auch Tankstellen und Discounter an. Und keine heimische Bank käme auf die Idee, die Tanke als ihre Geschäftsstelle zu bezeichnen.

Der Rückzug aus der Fläche – heute in Sundern, morgen vielleicht in Rumbeck und übermorgen in anderen Ortsteilen der Städte – der Rückzug geschieht zu einem Zeitpunkt, wo die internationalen Banken in der Finanzkrise Vertrauen verspielten und die heimischen Institute durch ihre Nähe und persönliche Verbindlichkeit den Unterschied ausmachten. Wo auch deshalb die Geschäftsberichte beider Häuser stolze Gewinne ausweisen.

Der Rückzug wird eingeläutet vor dem Hintergrund des demografischen Wandels, wo es immer mehr ältere Menschen gibt, die persönliche und vertraute Ansprechpartner benötigen.

Ihnen künftig nur noch einen Automaten vorzusetzen, ist keine gute Idee. Von Sparkasse und Volksbank dürfen die Kunden erwarten, dass sie anders handeln als internationale Großbanken, die nur die Börsen im Blick haben.

Heinz Krischer